Imshausen

Familiensitz - Kommunität - Stiftung

Der historische Sitz der Familie von Trott zu Solz ist als Ort unmittelbar mit dem demokratischen Denken im Widerstand gegen Hitler und dem Dritten Reich verbunden. Hier verbrachte Adam von Trott nicht nur Teile seiner Kindheit und Jugend, hier konnte er auch nach 1933 in sicherer Umgebung Freunde aus dem In- und Ausland treffen.

Es gibt kaum einen anderen Ort in Deutschland, der so eng mit Demokratie und Widerstand verbunden ist.

 

1947 und 1948 initiierten die Brüder Werner und Heinrich von Trott ein Netzwerk intellektueller „Vordenker“, das unter dem Namen „Gesellschaft Imshausen“ über grundlegende Neuordnungspläne für Deutschland nachdenken sollte. Nach nur drei Treffen wurde diese Initiative aufgegeben. Danach diente das Herrenhaus im Trottenpark der von Vera von Trott, einer Schwester Adams, gegründeten Kommunität Imshausen als Lebens- und Arbeitsort.

1949 errichteten Werner und Heinrich von Trott zu Solz auf dem Tannenberg oberhalb des Dorfes ein weithin sichtbares Holzkreuz zum Gedenken an ihren ermordeten Bruder. Neben dem Kreuz befindet sich ein Gedenkstein. Seit 1984 finden hier jährlich am 20. Juli Gedenkfeiern statt, die die Stiftung gemeinsam mit dem SPD-Unterbezirk Hersfeld-Rotenburg trägt. Bundesweit bekannte Persönlichkeiten wie Ralph Giordano, Margot Käßmann, und zuletzt Außenminister Heiko Maas haben hier bereits gesprochen.

Von 1949 bis 1972 war es nicht nur der Lebensmittelpunkt der entstehenden geistlichen Gemeinschaft, sondern auch Aufnahmeort für Kinder und Jugendliche, die, durch Krieg, Flucht und Vertreibung entwurzelt, vor allem in den Nachkriegsjahren hier ein neues Zuhause fanden. Die 1955 durch Vera von Trott zu Solz, den Theologen Hans Eisenberg und anderen gebildete Kommunität Imshausen wurde im Laufe der Jahrzehnte zu einem wichtigen Zentrum der ökomenischen Begegnung und spirituellen Einkehr. Internationaler, religionsübergreifender Austausch und rege Kontakte auch über die wenige Kilometer entfernt verlaufende innerdeutsche Grenze hinweg nach Osten prägten die besondere Gemeinschaft an diesem Ort.

1986 beschloss die Kommunität eine Stiftung zu gründen, die nach Adam von Trott benannt wurde, und die die Aufgabe erhielt, das Andenken zu bewahren und Impulse zum Weiterdenken zu geben. Die Stiftung baute die neben dem Herrenhaus liegende Scheune zum Tagungs- und Begegnungshaus um. 1995, nach dem Umzug der Kommunität auf den Tannenhof, wurde ein Verein gegründet, der die Sanierung des Herrenhauses übernahm und der eng mit der Stiftung verbunden wurde.

Seit 2001 finden in Imshausen regelmäßig öffentliche Veranstaltungen statt. Die bereits fest in der Region etablierten „Imshäuser Gespräche“ sind Abendveranstaltungen; hinzu kommen auch mehrtägige Tagungen zu unterschiedlichen Themen. Von Anfang an hat die Stiftung die Schulen der Region eingeladen und Bildungsangebote gemacht.

Seit 2017 ist Imshausen in einer durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien geförderten Kooperation mit der Georg-August-Universität in Göttingen verbunden. Seitdem werden zahlreiche Veranstaltungs- und Workshopformate für unterschiedliche Zielgruppen durchgeführt. Zu diesen gehören neben Tagungen, Konferenzen und Lectures vor allem Bildungsangebote für jüngere Menschen, wie beispielsweise Seminare für Studierende, Schülerworkshops, Democracy Camps und Veranstaltungen mit und für Schulen aus der Region. Mit der Sontraer Adam-von-Trott-Schule verbindet die Stiftung eine langjährige Partnerschaft.

Ab 2020 wird es in Imshausen eine Dauerausstellung über Adam von Trott geben.

Mit dieser Nutzungsgeschichte ist Imshausen dafür prädestiniert, über die Entwicklung von Demokraten nachzudenken. Junge Menschen aber auch Multiplikatoren wie Journalisten, Lehrer, Mitarbeiter von Gedenkstätten sollen erfahren, wie sich Demokratie entwickelt und wie es gelingen kann, dass Menschen dafür sensibilisiert werden, Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen und in schwierigen Situationen mutig zu handeln.

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