Adam von Trott zu Solz

Zur Person

Adam von Trott zu Solz

Adam von Trott zu Solz (1909-1944) war erst 35 Jahre alt, als er am 26. August 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde – wenige Wochen nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli.

Der Staat „ist zur Willkür geworden“, hatte er bereits 1933 als junger Jura-Student an seinen Vater geschrieben. Aus dem Geist des Widerstehens wurde aktiver Widerstand: Beharrlich kämpfte Trott für den Sturz der Diktatur. Als Student in Göttingen, Berlin und Oxford, auf Reisen und als Jurist im Auswärtigen Amt knüpfte er ein weites Netzwerk von Freunden und Gleichgesinnten. Adam von Trott war „ein Genie der Freundschaft“, erzählte ein Zeitzeuge später. „Er war bestimmt, Altes und Neues zu verbinden, links und rechts einander zuzuwenden“, sagte ein anderer Wegbegleiter.

Zu Trotts Netzwerk gehörten Sozialisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter ebenso wie Konservative, Kirchenvertreter und Militärs. Im Kreisauer Kreis arbeitete er an konkreten Plänen für ein föderales Europa, in dem ein demokratisches, gerechtes Deutschland verankert sein sollte. Im Ausland versuchte er, Unterstützung für den Widerstand und die geplante Nachkriegs-Regierung zu gewinnen. Claus Graf Schenck von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 mit dem Attentat auf Hitler den Umsturzversuch auslöste, war seit 1944 ein enger Freund.

Am 25. Juli wurde Adam von Trott wegen seiner nachgewiesenen Verbindung zu Stauffenberg festgenommen und am 26. August im Gefängnis in Berlin-Plötzensee hingerichtet. „Grüß mir Imshausen und seine Berge“, bat Adam von Trott seine Frau in seinem Abschiedsbrief.

Lesen Sie hier eine ausführlichere biographische Übersicht von Adam von Trott, zusammengestellt von Dr. Benigna von Krusenstjern und Ute Janßen

Clarita

Clarita von Trottzu Solz (1917-2013)

Clarita wurde am 19. September 1917 als Tochter von Clarita und Maximilian Tiefenbacher, einem Rechtsanwalt, in Reinbek bei Hamburg geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst ein Landjahr und eine Ausbildung als Stenotypistin, hinzu kamen einige Aufenthalte im Ausland. Adam von Trott lernte sie 1935 bei gemeinsamen Freunden kennen. Im Juni 1940 heirateten die beiden und zogen in eine gemeinsame Wohnung in Berlin. Fast gleichzeitig begann er, in der Informationsabteilung des Auswärtigen Amtes zu arbeiten.

1942 wurde die Tochter Anna Verena geboren, Ende 1943 kam ihre zweite Tochter, Leonore Clarita Diana, in Imshausen auf die Welt. Von da ab sah sich das Paar nur noch selten, stand aber so gut es ging in schriftlichem Kontakt. Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Clarita in Sippenhaft genommen und ihre beiden Töchter (2,5 Jahre und 9 Monate alt) verschleppt. Bis Ende September 1944 war sie im Frauengefängnis Moabit, im Oktober 1944 wurden auch ihre Kinder nach Imshausen zurückgebracht.

Nach dem Krieg lebte die 27jährige Witwe zunächst in Imshausen, Berlin und, auf Einladung von Freunden, im Ausland. Von 1950 bis 1955 studierte und promovierte sie in Medizin. Später folgten die Facharztausbildung in Neurologie und Psychiatrie sowie eine Lehranalyse. Mit 50 Jahren ließ sie sich in eigener Praxis als Psychoanalytikerin in Berlin nieder und praktizierte bis in ihr 80. Lebensjahr. Neben ihrer psychoanalytischen Tätigkeit blieb sie ihr Leben lang dem Vermächtnis ihres Mannes und seiner Freunde verpflichtet. 1956-1958 verfasste sie eine erste Biographie ihres Mannes, zunächst als „Materialsammlung“ deklariert, die 1994 erstmals veröffentlicht wurde. Dieses Buch wurde zum Grundstein für alle späteren Recherchen und Publikationen zum Denken und Handeln ihres Mannes und seiner Freunde.

1987 schrieb Clarita von Trott in einem Rückblick auf ihre Ehe: „Mein Leben war ungewöhnlich reich als Mutter meiner Töchter und ihrer Familien, durch Freundschaften und den ärztlichen Umgang mit Menschen in psychischer Not. Aber in der Mitte der Existenz blieb Adams Platz leer.“

Weiteres

Grußwort von Clarita von Trott am Kreuz, 20. Juli 2004

Grußwort von Clarita von Trott am Kreuz, 20. Juli 2004

Verehrte, liebe Anwesende,

seitdem ich wußte, daß ich Ihnen in dieser besonderen Gedenkstunde ein Grußwort sagen könnte, hat mich der Gedanke ein eine unauslöschliche Erinnerung bewegt. Sowohl dieser Ort, als auch diese Stunde scheinen mir geradezu aufzutragen, die Erinnerung mit Ihnen zu teilen.

Es war Pfingsten 1944, also etwa zwei Monate vor dem gescheiterten Umsturzversuch am 20. Juli. Mein Mann war nach Imshausen gekommen, wohin er seine kleine Familie als Zuflucht vor den Berliner Bombennächten verpflanzt hatte; unser zweites Töchterchen war damals erst ein halbes Jahr alt. Er war auf der Rückreise von einer Reise – offiziell einer Dienstreise – nach Italien, wo er ganz offenbar ermutigende Erfahrungen gemacht hatte, denn ich hatte ihn seit langem nicht so wohl und ausgeruht erlebt. Wir sind bei herrlichem Frühsommerwetter zu genau dieser kleinen Kuppe hinaufgestiegen. Über uns, in einem strahlend blauen Himmel, jubilierten die Lerchen. Adam hat lange schweigend dort gestanden – dort, wo jetzt die Bank hinter dem Kreuz steht –, vertieft in den Anblick seiner geliebten hessischen Landschaft, die sich von hier in der Runde bis in die weite Ferne erstreckt.

Als er sich zum Heimweg anschickte, sagte er, daß ihm dies noch lange vor der Seele stehen und ihm helfen würde, wenn er wieder in Berlin sei. Auf dem Rückweg zum alten Familienhaus hat er unvermittelt letzte Dinge angesprochen auf eine Weise, wie ich es nie zuvor von ihm gehört hatte. Es war, als hätte er Bilanz gezogen. Adam sagte, er glaube, daß Gott ihn leben lassen würde, wenn er noch gebraucht würde. Aber falls es anders kommen sollte, so habe er auch das akzeptiert. Kurz darauf ergänzte er diese Darstellung jedoch. Er sagte, falls es anders kommen sollte, hoffe er, seine überlebenden Freunde würden ihre Erinnerungen an ihn zusammentragen. Ich kann nur mit meinen eigenen Worten versuchen, diesen Wunsch zu interpretieren: er versuchte auf alle Weise den vernichtenden Gedanken auszutreiben, daß er nicht nur sein eigenes Leben verlieren könnte, – nein schlimmer – daß auch die Früchte seiner unsäglich mühsam gewonnenen Einsichten und Erfahrungen verloren gehen könnten.

Die letzten Worte in einem kleinen Nachsatz des Abschiedsbriefes von meinem Mann waren: „Grüß mir Imshausen und seine Berge!“   Wir hier auf eben dieser Stelle Versammelten grüßen heute nicht nur. Ich meine, daß wir hier sind, um uns von diesem Freundeskreis, diesen Menschen des Widerstands in unserem heutigen Mühen mit unseren heutigen Konflikten eine Art Wegweisung zu holen.

Ich danke Ihnen.

Gedenkschrift zum 100. Geburtstag von Clarita von Trott zu Solz

Gedenkschrift zum 100. Geburtstag von Clarita von Trott zu Solz

Der unsichtbare Teil des Widerstands – Auf dem Weg zu Frieden, Verständigung und Rechtsstaat (1917-2013)
Imshausen 2017, ISBN 978-3-00-56965-4, 9,80 Euro zzgl. Versand

Zum 100. Geburtstag von Clarita von Trott zu Solz am 19. September 2017 wurde eine umfangreiche Gedenkschrift zum Geburtstag der Ärztin, Psychoanalytikerin und Witwe von Adam von Trott veröffentlicht. In zahlreichen Beiträgen von ihr selbst, Freunden, Wegbegleitern, Lehrern und anderen kreist die Schrift um die Frau des Mannes, der im Juli 1944 nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler als Widerstandskämpfer hingerichtet worden ist. Sie war zu der Zeit 26 Jahre alt und hatte zwei kleine Töchter (zwei Jahre/ neun Monate). Das Buch gliedert sich in die drei Abschnitte „Freundeskreis“, „Versöhnung und Frieden – Rechtsstaatlichkeit und Würde“ sowie „Erinnern gemeinsamer Maßstäbe“.

Links:

Dauerausstellung

Adam von Trott zu Solz – Dauerausstellung

(nach dem Feinkonzept für die Ausstellung, erstellt vom Ausstellungsbüro 'Exponauten')

"Wie wird ein junger Mensch zum Demokraten?“, das fragte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Antrittsbesuch in Niedersachsen an der Universität Göttingen im Juni 2017. Er bezog sich dabei auf Adam von Trott und fragte, wie sich Trott angesichts seines Hintergrunds und der Zeit, in der er aufwuchs zu dem freien Denker und überzeugten Demokraten entwickeln konnte, der er war. Das ist auch die Frage, auf die im ersten Raum unserer neuen Dauerausstellung Antworten gegeben werden. Was und wer hat ihn geprägt? Wer waren seine Eltern und Geschwister? Welche Anregungen hat er in Schule und Studium aufgenommen? Welche Rolle spielten die Auslandsreisen – die ihn u.a. in die USA und in den fernen Osten führten? Mit Hilfe eines kreativen Medieneinsatzes sind die Ausstellungsbesucher eingeladen, Adam von Trott und seinen Hintergrund zu entdecken.

Der zweite Raum stellt die Zäsur dar, die die Machtergreifung der Nationalsozialisten auch für das Leben Adam von Trotts und seine Suche nach einer eigenen Position, nach beruflichen Möglichkeiten, nach Spielräumen bedeutete. Wie ging er mit den zunehmenden Restriktionen, der Verfolgung jüdischer Mitbürger und politisch Andersdenkender um, wie verhielt er sich? Welche Entscheidungen traf er?

Im dritten Raum dann wird der Widerstandsakteur Adam von Trott porträtiert. Wie sah seine Arbeit konkret aus? Wer waren seine Freunde, wie war es ihm möglich, ein belastbares Netzwerk von Gleichgesinnten zu knüpfen? Welche Konzepte für ein Deutschland und Europa nach dem Nationalsozialismus diskutierten er und seine Mitstreiter? Was geschah am 20. Juli 1944 und danach? Dies – und vieles mehr – können die Ausstellungsbesucher an unterschiedlichen Stationen selbst herausfinden.

Ein Ziel der Ausstellung ist es, über das Schicksal und die Gedankenwelt Adam von Trotts Fragen beim Ausstellungsbesucher anzuregen. Wie sehe ich heute die Welt, die Demokratie in Deutschland? Wie kann ich mich verhalten und welche Verantwortung kann ich übernehmen? Hier wird es viele neue Ansätze für die Bildungsarbeit in Imshausen geben.

Wir freuen uns auf die Ausstellungseröffnung, die voraussichtlich im Herbst 2020 stattfindet.

Bücher & Filme

Biographien

Clarita von Trott zu Solz: Adam von Trott zu Solz. Eine Lebensbeschreibung

Lukas-Verlag Berlin 2009 | 368 Seiten | ISBN-13: 978-3867320634

Dieses Buch ist eine Neuauflage des Bandes, der 1994 in der Edition Hentrich erschienen ist (mit herausgegeben durch die Gedenkstätte Deutscher Widerstand). Hinzu gekommen sind mehrere Dokumente, Bilder, ein Personenregister sowie einen Rückblick von Clarita von Trott von 1987. Das Buch gilt als Grundlage aller seit den 1960er Jahren erschienenen Trott-Biographien.

Benigna von Krusenstjern: »daß es Sinn hat zu sterben - gelebt zu haben«. Adam von Trott zu Solz · 1909 - 1944

Wallstein-Verlag Göttingen 2009 | 608 Seiten | ISBN-13: 978-3835305069

Benigna von Krusenstjern hat sich auf wissenschaftlicher Grundlage mit Adam von Trotts Lebenszeugnissen beschäftigt. Dabei ist sie auf zahlreiche neue Quellen gestoßen und hat diese völlig neu gewichtet. Mit sprachlicher Präzision gelingt es ihr ein differenziertes und ausgewogenes Bild Adam von Trotts zu zeichnen. Das Buch ist die grundlegende, deutschsprachige Biographie über Adam von Trott, auf die lange gewartet wurde.

Henric L. Wuermeling: Adam von Trott zu Solz. Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler

Pantheon-Verlag München 2009 | 237 Seiten | ISBN-13: 978-3570550939

Unter den Verschwörern des 20. Juli war Adam von Trott zu Solz der »Außenminister«. Auf zwanzig Auslandsreisen koordinierte er die Zusammenarbeit des Widerstandes mit den Alliierten. Basierend auf Recherchen in Geheimdienstarchiven und ausführlichen Gesprächen mit Überlebenden ist Henric L. Wuermeling eine gut erzählte, packende Biographie gelungen.

Giles MacDonogh: A Good German: Adam Von Trott Zu Solz

Quartet London 1989 | 358 Seiten | ISBN-13: 978-0704327306

Giles MacDonogh examines the idealism and patriotism that were essential parts of Trott's character. Trott worked tirelessly to find support for the German resisters but this patriotism was misinterpreted by some of his British and American contacts, who missed the chance both to remove Hitler and to end the war at an earlier stage. To this day, this is one of the most readable and authoritative English-language biographies of Adam von Trott.

Andres Schott: Adam Trott zu Solz - Jurist im Widerstand

(=Rechts- und Staatswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft), Paderborn: Schöningh, 2001 | ISBN 3-506-73397-4.

Andreas Schott geht es ausdrücklich nicht darum, eine Biografie von Adam von Trott zu verfassen. Seine Absicht ist es vielmehr, herauszuarbeiten, aus welcher Rechtsauffassung von Trotts Opposition zum NS-Staat entsprang. Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Anteil die Vorstellungen Adam von Trotts an der innerhalb des Kreisauer Kreises formulierten Neukonzeption eines deutschen Staates jenseits des "Dritten Reiches" hatten.

Tobias Hoh: Widerstand und Internationale Beziehungen. Die außenpolitischen Initiativen von Adam von Trott für die deutsche Opposition, 1937-1944

Baden-Baden: Tectum-Verlag, 2011 | 262 Seiten | ISBN: 978-3828884847

Die außenpolitische Dimension des deutschen zivilen Widerstands wurde, verglichen mit den Attentatsplänen, bisher nur wenig beachtet. Tobias Hoh dokumentiert und analysiert hier erstmals die durch Adam von Trott für den Kreisauer Kreis, gemeinsam mit weiteren Widerstandsgruppen aus Militär, Verwaltung und Kirche koordinierten Außenbeziehungen der oppositionellen Kräfte im Nationalsozialismus. 

Kenneth Sears: Opposing Hitler: Adam von Trott zu Solz, 1909-1944: ‘To Strive and Not to Yield’

Sussex Academic Press, 2011 | 103 Seiten | ISBN-10: 1845192826

Based on extensive research and talks with some of those who knew him, Kenneth Sears details the life of Adam von Trott zu Solz, a man of brilliant intellect who refused to compromise his conscience and sacrificed himself in a noble cause.


 

Filmempfehlungen

Hellmut Sito Schlingensiepen und Christian Bimm Coers: »Noch stehen wir am Anfang…« - Adam von Trott zu Solz, 1909–1944

DVD-Video | ca. 28 Minuten

Der Film wurde für den Einsatz im Schulunterricht entwickelt, für den er sich aufgrund seiner Kürze und seiner Prägnanz erfahrungsgemäß besonders gut eignet. Zusammengestellt wurde er ausschließlich aus Quellenmaterial, Originalfotos und historischem Filmmaterial. Der Film wurde 2009, rechtzeitig zum 100. Geburtstages Adam von Trotts fertiggestellt.

Die DVD ist zum Preis von 29 Euro (zuzüglich Versandkosten) erhältlich. Mit Verleihrecht kostet er 119 Euro. Bestellungen von Schulen, Medienzentren und Unternehmen sind bei MATTHIAS-FILM gGmbH möglich. Einzelbestellungen durch "natürliche" Personen werden unter trott-dvd@geschichte-begreifen.info entgegen genommen.

 


 

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