Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Beisetzung von Dr. Clarita von Trott zu Solz am Imshäuser Gedenkkreuz

Abschied von einer einzigartigen Zeitzeugin

Rund 150 Menschen waren an das Imshäuser Gedenkkreuz gekommen, um sich von Dr. Clarita von Trott zu Solz zu verabschieden. Die Witwe des Widerstandskämpfers Adam von Trott zu Solz war am Gründonnerstag im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben, nun wurde ihre Urne am Kreuz beigesetzt, an dem seit 1984 in öffentlichen Gedenkfeiern an den 20. Juli 1944 erinnert wird.

Clarita von Trott hatte zu diesem Ort eine sehr tiefe Beziehung, daher war es ihr Herzenswunsch dort oben ihre letzte Ruhestätte zu finden. An diesem Platz steht nicht nur seit 1949 das Gedenkkreuz und der Stein der an ihren Mann und dessen Freunde aus den Widerstandskreisen erinnert, es war auch der Ort, an dem an Pfingsten 1944 eines der letzten ungestörten gemeinsamen Gespräche stattfand, die sie mit ihrem Mann noch führen konnte.

Die Musikerin Anti von Klewitz beteiligte sich musikalisch an der Beisetzungsfeierlichkeit.

In einem Grußwort, das Clarita von Trott 2004 anlässlich des 60. Jahrestages des 20. Juli 1944 an diesem Ort hielt, sagte sie über dieses Zusammensein, dass ihr Mann damals lange schweigend dort gestanden habe und ihr gesagt habe, dass ihm das Bild der von ihm geliebten Landschaft noch lange vor Augen stehen und ihm nach seiner Rückkehr nach Berlin helfen werde. Auf dem Rückweg in das Imshäuser Herrenhaus habe er dann „unvermittelt letzte Dinge“ angesprochen, sodass ihr das Gewicht dieses Augenblicks schon damals sehr klar vor Augen gestanden habe. Aus diesem Gespräch habe sie selbst vor allem den Gedanken mitgenommen, dass es ihrem Mann wichtig gewesen sei, dass die Früchte seiner mühevoll gewonnenen Einsichten und Erfahrungen nicht verloren gingen.


Programm zur Trauerfeier als PDF

Programm zur Urnenbeisetzung als PDF

Grußwort von Clarita von Trott 2004 im Rahmen der Gedenkfeier zum Jahrestag des 20. Juli 1944 als PDF


Aus diesem Grußwort zitierte Pfarrer Reiner Weiss in seiner Ansprache zur Beisetzung. Neben Familienmitgliedern und Freunden waren es Wegbegleiter aus vielfältigen Zusammenhängen, die in Imshausen von dieser außerordentlichen Frau Abschied nahmen. Unter ihnen auch eine Abordnung von Schülern und Lehrern der Adam-von-Trott-Schule, die mit einem Bläserensemble auch aktiv an der Gestaltung der Beisetzung beteiligt war.

Die tiefe Verbundenheit, die Clarita von Solz zu diesem Ort empfand und die dazu führte, dass sie nun, ihrem Wunsch entsprechend, dort auch bestattet wurde, drückte sich auch dadurch aus, dass sie nahezu in jedem Jahr am 20. Juli an der Gedenkfeier am Imshäuser Kreuz teilnahm. Zuletzt war dies 2010 der Fall, als Margot Käßmann dort die Rede zu diesem Tag hielt. Die Arbeit der Stiftung Adam von Trott, Imshausen e.V., die seit Ende der 1980er Jahre im Trottenpark einen Ort für Tagungen und Begegnungen entwickelt hat und deren Ehrenvorsitzende sie war, war Clarita von Trott zu Solz immer ein wichtiges Anliegen, das sie bis zuletzt durch intensives Mitdenken mitgestaltet hat. Nicht nur in der Weitergabe der Erinnerung an die junge Generation sah Clarita von Trott eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Es war vor allem das Weiterdenken und -entwickeln der Gedanken, die ihre Wurzeln im Widerstand gegen den Nationalsozialismus hatten, das ihr zeitlebens ein wichtiges Anliegen war.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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