Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Dr. Jürgen Schmude zum 20. Juli

Gedenkfeier für Adam von Trott und seine Freunde

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Viel Zuspruch fand trotz wechselvollen Wetters die Gedenkfeier für Adam von Trott und seine Freunde am Trottenkreuz oberhalb von Imshausen. Nachdem im vergangenen Jahr Margot Käßmann zum 20. Juli und dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus gesprochen hatte, hielt in diesem Jahr der Jurist Dr. Jürgen Schmude die Gedenkrede unter dem Kreuz.

Der ehemalige Bundesminister und langjährige Vorsitzende der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), wandte sich den Fragen des Ungehorsams gegen ein verbrecherisches Regime, dem noch in jüngster Zeit erhobenen Vorwurf der Nestbeschmutzung und Verrätertums zu und fragte schließlich, wie das Beispiel der Widerständler heute zu beherzigen sei. „Wir brauchen die klare Einsicht, dass Unrecht nicht aus Solidarität verschwiegen und vertuscht werden darf“, betonte Schmude. Wenn Unrecht innerhalb einer Gruppe oder auch in Behörden oder Betrieben angegangen und das Schweigen gebrochen werde, sei dies Nothilfe für die Opfer und für die Rechtsordnung.

Hilt die Gedenkrede: Dr. Jürgen Schmude.

Der ehemalige Justizminister (1981/82) erwähnte unter anderem auch den Jesuitenpater Klaus Mertes, der als Leiter des Canisiuskollegs in Berlin in einem offenen Brief die Aufdeckung von Missbrauchsfällen an der Schule in Gang gesetzt hatte. Schmude wies auf die Bemühungen von SPD und Grünen hin, sogenannte Whistleblower, also Menschen, die gravierende Missstände in ihren Betrieben oder Verwaltungen öffentlich machen, zu schützen. Denn sie sähen sich häufig als Querulanten abgewertet, gegen sie würden vielfach Sanktionen verhängt.

Auch in diesem Jahr haben wieder viele Gäste an der Gedenkfeier teilgenommen.

Schmude appellierte an die Zivilcourage, wenngleich er die Konflikte derjenigen, die heute mutig Missstände anprangern, nicht mit denen von Adam von Trott und seiner Mitstreiter gleichgesetzt wissen wollte. Diese hätten unter Aufopferung ihres Lebens, „durch ihr Gewissen getrieben, ihre wahren Pflichten gegenüber der Gerechtigkeit und ihrem Land erfüllt“.

Zahlreiche Menschen, darunter Politiker aller Parteien, waren zu der Gedenkfeier ans Trottenkreuz gekommen, die von Marcel Schmidt (Bad Hersfeld) mit dem Saxofon untermalt wurde. Die Gäste wurden vom SPD-Unterkreis-Vorsitzenden Manfred Knoch begrüßt, der seit 1984, also von der ersten Gedenkfeier an, jedes Mal zugegen war.

Nach dem Nachgespräch im Herrenhaus (von links): Dr. Jürgen Schmude (Bundesminister a.D.), Dr. Dr. hc. Reinhard Höppner (Vorsitzender der Stiftung Adam von Trott) und Manfred Knoch (Vorsitzender des SPD-Unterkreises).

Dr. Reinhard Höppner, Vorsitzender der Stiftung Adam von Trott, hatte Clarita von Trott, Adams Ehefrau, in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen entschuldigt und ihre bedeutende Rolle nach seinem Tod gewürdigt. Geschäftsführerin Ute Janßen lud die Gäste im Anschluss noch ins Herrenhaus der Stiftung ein.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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