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Imshäuser Gespräch mit Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker

Weniger muss mehr werden

Einen Appell für mehr Selbstbewusstsein und Genügsamkeit stellte Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker an das Ende seines Vortrages beim Imshäuser Gespräch zum Thema „Energiewende“. Weizsäcker forderte dazu auf, die bereits jetzt vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen, um die immense Vergeudung von Energie zu stoppen und damit die vorhandenen Resourcen effektiver zu nutzen.

Weizsäcker betonte, dass die Energiewende nicht zwangsläufig zu einem Leben in Armut und Trübsal führen müsse. Allein auf den Ersatz fossiler Brennstoffe durch erneuerbare Energien könne man allerdings nicht setzen. Der Politiker und Umweltwissenschaftler bezeichnete diese Vision als alleinige Doktrin als „ökologischen Alptraum“, der ebenfalls gravierende Nachteile habe. Allein die Vernichtung unendlicher Urwaldflächen für den Anbau von Energiepflanzen-Monokulturen spreche hier eine deutliche Sprache.

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker beim Imshäuser Gespräch.

Die Strategie müsse daher sein, aus weniger Energie mehr Wohlstand zu generieren. Es sei verständlich, dass niemand so ohne weiteres bereit sei, auf Wohlstand zu verzichten. Dies sei, so betonte er in seinem temperamentvollen Plädoyer, wenn man bereits heute vorhandener technischer Möglichkeiten nutze, keine utopische Zukunftsmusik. Hierzu nannte Weizsäcker Beispiele wie Passivhäuser, Autos, die maximal 1,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen, die Sanierung von Altbauten, intelligente Netze, saisonale und biologisch produzierte Lebensmittel sowie vermehrte Nutzung von Telefon- und Videokonferenzen, die in vielen Fällen aufwändige Flugreisen ersetzen könnten. Hierzu müssten aber auch die Voraussetzungen deutlich verändert werden. Statt der derzeit so einflussreichen Ökonomen müssten kreative Ingenieure die Entwicklung weitaus mehr prägen, als dies heute der Fall sei. Dann, so prognostizierte Weizsäcker, werde auch die wirtschaftliche Entwicklung sich gerade da, wo Technologien neu und weiter entwickelt würden, positiv verändern.

Insbesondere wenn man die weltweite Entwicklung betrachte, werde deutlich, dass die so genannten „entwickelten Länder“ einen extrem ungünstigen „ökologischen Fußabdruck“ hätten. Inzwischen seien aber viele der „Schwellenländer“ wie beispielsweise China dabei diesbezüglich aufzuholen. Es müsse einerseits daran gearbeitet werden, dass die Energieeffizienz in den reicheren Länder besser werde und dass die aufholenden Weltregionen ihren Wohlstand steigern könnten, ohne dass sich hier der ökologische Fußabdruck zu stark vergrößere. Wenn die derzeitige Entwicklung unverändert weiterlaufe, so betonte Weizsäcker, drohe nicht nur der Kollaps in Bezug auf Energie, sondern auch extreme Folgen für das globale Klima. Als Anzeichen hierfür führte Weizsäcker zunehmende Fluten in Asien, Waldbrände rund um Moskau sowie schmelzende Gletscher an. Daher dürfe die nach den Ereignissen von Fukushima mit großem Getöse propagierte „Energiewende“ nicht zur politischen Manövriermasse werden.

Weizsäcker forderte eine „Allianz der Gewinnerländer“, um Veränderungen tatsächlich anstoßen zu können. Auf die Bremser der Entwicklung, wie beispielsweise die USA dürfe nun nicht länger gewartet werden.

An den Vortrag Ernst Ulrich von Weizsäckers schloss sich im mehr als voll besetzten Saal eine lebhafte Diskussion an, die deutlich machte, dass das Interesse an diesem Thema auch ein Jahr nach der Diskussion über die Folgen der Atomkatastrophe in Japan immer noch sehr groß ist.

Diese Artikel sind erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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