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Imshäuser Gespräch zu Migration in und aus Afrika

Mit Geduld und Mut neue Brücken bauen

Migranten aus Afrika, so betonte die Afrika-und Migrationsexpertin Lisa Wennekes im Imshäuser Gespräch, hätten es bei uns in Europa vielfach schwerer als andere Migrantengruppen: Zum Einen werde ihnen der Zugang durch die Sicherung der EU-Grenzen immer mehr erschwert und zum Anderen würden sie häufig bereits durch ihr Äußeres – ihre Hautfarbe – auffallen.

Bevor Wennekes jedoch auf Afrika einging, wurde sie sehr viel grundsätzlicher. Sie gab einen Überblick über die Geschichte der Migration, bei dem sie zeigte, dass Wanderungsbewegungen kein „modernes“ Phänomen sind und dass die deutsche Bevölkerung sehr viel weniger homogen zusammengesetzt ist, als gemeinhin angenommen wird. „Wir denken zwar, wir seien alle gleich, sind aber in Wirklichkeit sehr unterschiedlich“, so betonte sie. Unter dem Begriff verstehe man nicht nur die Wanderung über Grenzen hinweg, sondern auch die Bewegungen innerhalb eines Landes. Sich selbst definierte sie beispielhaft als dritte Generation von Flüchtlingsmigrantin (ihre Vorfahren stammen aus Schlesien), als Bildungsmigrantin (sie absolvierte einen beträchtlichen Teil ihres Studiums im Ausland) und als Remigrantin, die nach Auslandsaufenthalten und Studium wieder zurückgekehrt sei. Damit regte sie die sehr engagiert mit diskutierenden Zuhörer im Imshäuser Herrenhaus dazu an, Migration auch auf die eigene Person zu beziehen und über eigene Bilder und Ängste in Bezug auf Zuwanderer nachzudenken.

Die Afrika-und Migrationsexpertin Lisa Wennekes beim Imshäuser Gespräch.

In Afrika habe Migration eine noch ausgeprägtere Tradition als in Europa. Immer wieder sei es zu wirtschaftlich bedingten Wanderungsbewegungen gekommen, die sich aber im Wesentlichen auf innerafrikanische Bewegungen beschränkten. Problematisch an der Migration nach Europa, die vor allem seit den 1990er Jahren an Bedeutung gewonnen habe, sei vor allem, dass es keine legalen Wege für Arbeitsmigranten gebe. So sei der einzig mögliche Weg der sehr gefährliche, illegale Weg nach Europa zum Beispiel als Bootsflüchtlinge. Wir Europäer dächten bei afrikanischen Migranten vor allem an Flüchtlinge, die unseren Schutz benötigten. Gerade diesen aber fehlten meist die Mittel nach Europa zu kommen, sie blieben im Wesentlichen in Afrika.

Dabei, so betonte Wennekes, bräuchten wir auf Dauer qualifizierte Zuwanderer. Dies werde schon durch den demographischen Wandel nötig. Zwar sei Deutschland heute trotz abweichender Behauptungen und mancher Probleme längst ein erfolgreiches Einwanderungsland, dennoch gebe es gerade unter jüngeren und qualifizierten Menschen auch gravierende Auswanderungsbewegungen. Längst, so betonte die Referentin, sei es an der Zeit, darüber nachzudenken, wie man Deutschland für Migranten attraktiver machen könnte, nicht zuletzt auch um den Wohlfahrtsstaat auf Dauer sichern zu können. Während ihrer Forschungsarbeiten habe sie häufig Gespräche mit maßgebenden deutschen Politikern zu diesem Thema gestoßen und sie sei dabei sehr häufig auf die Überzeugung gestoßen, dass das Thema Zuwanderung gemieden werde, weil Politiker ängstlich darauf bedacht seien, es dem (deutschen) Wähler recht zu machen, dem sie diesbezüglich offenbar nicht viel zutrauten.

Das Bauen von Brücken zwischen Kulturen, so das Fazit Wennekes', werde noch viel Mut, Geduld und Zeit erfordern und dabei gelte es, dass nicht nur über „die Migranten“ geredet werde, sondern dass sich die „Mehrheitsbevölkerung“ auch ihren eigenen Ängsten und Vorbehalten stelle.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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