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Imshäuser Gespräch stellte alternative Wirtschaftsform vor

Solidarisch gegen Strukturschwäche und Abwanderung

Eine andere Art des Wirtschaftens ist grundsätzlich möglich - nicht nur in der Zukunft, sondern vielfach auch schon jetzt. Dieses Fazit zog Prof. Dr. Clarita Müller-Plantenberg im Imshäuser Gespräch, bei dem die "Solidarische Ökonomie" im Mittelpunkt stand.

Solidarisch wirtschaften bedeutet, dass regionale Wirtschaftskreisläufe und alternative Betriebsformen gefördert werden, bei denen vor dem Profit vor allem das Gemeinwohl und die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen. Als Beispiele für solche solidarisch arbeitenden Betriebe stellte Müller-Plantenberg die Energiedörfer Jühnde und Schönau vor.

Im Bild (von links) Prof. Dr. Clarita Müller-Plantenberg, Cindy Völler, Kristina Bayer und Barbara Schweitzer.

Eine Möglichkeit zur Gründung solidarischer Betriebe machte Müller-Plantenberg bei der Übernahme gefährdeter Betriebe durch Arbeitnehmer und entsprechender betrieblicher Neustrukturierung aus. Ein aktuelles Beispiel hierfür sei die Butzbacher Ökotextilfirma hessnatur, bei der Kunden und Arbeitnehmer sich zusammengeschlossen hätten, um die Firma vor einem Verkauf an den unter Anderem in der Rüstungsindustrie tätigen US-Konzern Carlyle zu verhindern. Hier stehe man kurz vor der erfolgreichen Übernahme der Firma durch eine Genossenschaft. Doch, so betonte Müller-Plantenberg, man müsse nicht weit in die Ferne schweifen: Auch wenn die Idee der Solidarischen Ökonomie in Ländern wie Lateinamerika, Frankreich, Italien und Österreich mittlerweile sehr viel weiter verbreitet sei, als in Deutschland so gebe es gerade in der ansonsten eher strukturschwachen Region Nordhessen einige interessante Beispiele für solidarische Betriebe. Unter Anderem nannte sie einen Holzveredelungsbetrieb in der Rhön, Interessentenwälder, die es traditionell in vielen Dörfern der Region gebe und die biologische Schulverpflegungskette, die in den letzten Jahren im Schwalm-Eder-Kreis unter maßgeblicher Beteiligung von Landwirten aufgebaut worden sei.

Insbesondere in Zeiten, in denen zunehmend über den demographischen Wandel nachgedacht werde, der gerade strukturschwachen und ländlichen Regionen sehr zu schaffen mache, sei die Solidarische Ökonomie eine praktikable und realistische Handlungsalternative. Nur da wo es gelinge, durch gemeinsame Aktivitäten Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven zu schaffen, könne man auch den Trend zur Abwanderung gerade junger und gut qualifizierter Menschen stoppen. So sei es mehr als sinnvoll, die regional vorhandenen Ressourcen an Rohstoffen und Wissen auch in der Region zu nutzen, anstatt diese zu exportieren und die Veredelung anderen zu überlassen. Die Chancen für Nordhessen sah die Referentin hier vor allem in der Holz- und Textilverarbeitung.

Clarita Müller-Plantenberg wurde im Gespräch durch Barbara Schweitzer, Kristina Bayer und Cindy Völler vom Kasseler Verein zur Förderung der Solidarischen Ökonomie e.V. unterstützt, die die bereits Gründungsberatung, die Kartierung solidarischer Betriebe, geplante Schülerprojekte und die Idee zur Wiederbelebung textilverarbeitender Betriebe vorstellten. Einig waren sich alle Beteiligten darüber, dass die Vernetzung das entscheidende Element sei. Hier müssten sowohl die Kontakte zwischen den Betrieben wie auch die zu regionalen Bildungsträgern wie Universitäten und Schulen gestärkt werden, damit sich weitere Teile der Bevölkerung und damit der Konsumenten über die Möglichkeiten des solidarischen Wirtschaftens informieren könnten.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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