Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Dr. Roni Hammermann zur Situation an israelischen Checkpoints

Ein Funke Hoffnung für Israel

"Ein Land, das seit mehr als vier Jahrzehnten 3,5 Millionen Menschen besetzt hält und sie in ihrer Bewegungsfreiheit stark einschränkt, kann selbst auf Dauer nicht demokratisch bleiben." Mit dieser deutlichen Aussage begann Dr. Roni Hammermann von der israelischen Frauenfriedensorganisation "Machsom Watch" ihren Vortrag beim Imshäuser Gespräch. Damit umriss sie auch ihre eigene Motivation, die sie und ihre Mitstreiterinnen dazu bringt, sich in der Menschenrechtsarbeit zu engagieren und nahezu täglich an den Kontrollpunkten zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten als Beobachterin präsent zu sein.

Dabei seien sie immer wieder mit Vorwürfen konfrontiert, dass sie "Nestbeschmutzerinnen" und "Verräterinnen" seien. Gleichzeitig sieht Hammermann insgesamt oppositionelle Gruppen in Israel wachsendem Druck ausgesetzt. Selbst bei genehmigten und friedlichen Demonstrationen komme es immer häufiger zu Verhaftungen.

Dr. Roni Hammermann schilderte in Imshausen die Situation an israelischen Checkpoints.

Hammermann schilderte eindrücklich die Situation an den Checkpoints, die jeder Palästinenser passieren muss, wenn er nach Israel wolle. Egal ob dies auf dem täglichen Weg zur Arbeit geschehe oder zum Zweck einer dringenden medizinischen Behandlung. Während Israelis in den besetzten Gebieten Bewegungsfreiheit genössen könnten die Palästinenser nur nach langwierigen Kontrollen an den Checkpoints und nur mithilfe einer von den israelischen Behörden erteilten Bewilligung nach Israel gelangen. Das ganze Leben sei für die Palästinenser eine einzige Bewilligung, beschrieb Hammermann die Situation. Die Bewilligungen würden grundsätzlich nur zeitlich befristet erteilt und könnten jederzeit ohne Angabe von Gründen widerrufen werden.

Auch an den Checkpoints selbst sei die Lage oft sehr angespannt. In den Stoßzeiten, wenn sich die Menschen auf den Weg zur Arbeit in Israel machten, würden manche Kontrollpunkte zwischen fünf und sieben Uhr morgens von mehreren tausend Menschen passiert. Um überhaupt pünktlich zur Arbeit kommen zu können, stellten sich viele bereits Stunden vor Öffnung des Kontrollpunktes in langen Warteschlangen an, lange Wartezeiten und starkes Gedränge, das durch die Anbringung von Drehkreuzen noch verstärkt werde, seien die Regel. Wie Löwen, die durch Gittergänge in die Manege getrieben würden, würden sich viele Palästinenser nach eigenem Bekunden angesichts der Barrieren an den Kontrollpunkten fühlen, berichtete Hammermann.

Die Frauen von Machsom Watch sind täglich in zwei Schichten an vielen der Checkpoints präsent. Sie beobachten die Situation und versuchen in schwierigen Situationen zwischen Palästinensern und Soldaten zu vermitteln. Das sei, so Hammermann, nicht immer einfach: Die Armee habe ein gespaltenes Verhältnis zu den Beobachterinnen. Viele, vor allem die sehr jungen Soldaten reagierten verunsichert auf ihre Anwesenheit, andere wiederum seien offen für ihre Anliegen, könnten dies aber häufig nicht offen zeigen. Eine wichtige Aufgabe, die Machsom Watch darüber hinaus wahrnimmt, ist die Dokumentation der Situation an den Kontrollpunkten. Die Frauen stellen ihre Berichte täglich aktuell auf ihre Internetseite und arbeiten eng auch mit internationalen Menschenrechtsorganisationen wie amnesty international zusammen. Auch wenn die Situation schwierig sei, Aufgeben, so betonte Roni Hammermann, sei keine Option: "Wir klammern uns an jeden Hoffnungsfunken."

Sehr kritische Worte fand Roni Hammermann auch für die Siedlungspolitik Israels, mit der Fakten geschaffen würden, die eine mögliche Zweistaatenlösung so gut wie unmöglich machen würde. Gleichzeitig rief sie dazu auf, Menschenrechtsbewegungen in Israel zu unterstützen und die Politik des Landes mit Freundschaft aber nicht unkritisch zu begleiten: "Wer Israels Politik gegenüber den Palästinensern kritiklos akzeptiert, leistet unserem Land keinen Freundschaftsdienst. Ein echter Freund übt da wo es nötig ist, auch Kritik."

Berichte und nähere Informationen in englischer Sprache unter www.machsomwatch.org/en.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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