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Imshäuser Gespräch zum Thema Nahostkonflikt mit Dr. Johannes Gerster

Nur Gespräche können die Situation verbessern

Ein Ausgleich zwischen Israelis und Palästinensern sei grundsätzlich möglich. Davon zeigte sich Dr. Johannes Gerster aus Mainz im Imshäuser Gespräch trotz nahezu unüberwindlicher Schwierigkeiten und großer Komplexität der Konflikte im Nahen Osten überzeugt. Dafür, so betonte der ehemalige Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und langjährige Repräsentant der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem, sei allerdings eine weitgehende Räumung der jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten eine wesentliche Voraussetzung.

Andererseits müsste auch der Radikalisierung auf arabisch-palästinensischer Seite und damit dem Einfluss des Iran in der Region Einhalt geboten werden. Gerster schöpfte bei seinem Vortrag in Imshausen aus seinen praktischen Erfahrungen aus sechs Jahren Leben in Jerusalem, in denen er unter Anderem zahlreiche Verständigungsgespräche in Arbeitskreisen mit Israelis und Palästinensern als Moderator leitete.

Imshäuser Gespräch mit Dr. Johannes Gerster.

Gerster ging in seinem Statement auch auf die aktuelle Lage nach den politischen Umwälzungen in Ägypten, Libyen, Tunesien und anderen Ländern der Region ein. Es sei mehr als wünschenswert, dass die Völker sich von den Despoten zu emanzipieren begännen, dennoch sei die Angst Israels vor der Entstehung eines Machtvakuums und vor der Zunahme des Einflusses radikaler arabischer Gruppierungen durchaus verständlich. Johannes Gerster kritisierte, dass die despotischen Regimes im Norden Afrikas und auf der arabischen Halbinsel viel zu lange und nicht zuletzt von westlichen Regierungen massiv unterstützt worden seien. Den Einfluss der Europäischen Union bezeichnete er als eher marginal, vor allem weil sie es versäumt habe, in der Außen- und Sicherheitspolitik eine entschiedene und einheitliche Linie zu finden.

Die Frage nach der Reaktion seiner eigenen Partei, der CDU auf seine Positionen zum Nahostkonflikt, beantwortete Gerster kurz und bündig: Nicht nur Liebe bringe man ihm dafür entgegen. Ähnlich ging es dem Politiker auch beim engagiert und teilweise sehr kritisch nachfragenden Imshäuser Publikum, das sich vor allem daran stieß, dass er versuchte, komplexe Zusammenhänge stark vereinfacht - in den Farben Schwarz oder Weiß - darzustellen. Dabei zeigte sich einmal mehr, wie schwierig es ist, selbst weit entfernt vom Konfliktherd, über den Nahen Osten zu diskutieren. Während einige Zuhörer die Menschenrechtsverletzungen an Palästinensern zu thematisieren versuchten, rechnete Gerster diese gegen die Situation in den derzeit unruhigen arabischen Nachbarländern auf. Vergliche man die Situation der Palästinenser in den besetzten Gebieten mit der Situation der Menschen in Libyen oder Ägypten, so sei die Lage hier um vieles besser.

Die Geschichte des Nahen Ostens, so konstatierte Gerster am Schluss der nicht durchgängig befriedigenden Diskussion, sei die Geschichte der verpassten Chancen. Entweder es komme zu ernsthaften Gesprächen oder es drohe eine dritte Intifada. Das Militär allein löse keine Probleme.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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