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Imshäuser Gespräch zur Kooperation der deutschen Polizei mit Folterregimen

Folter wird verschwiegen

Die Worte "Menschenrechte" und "Folter", so betonte der Schenklengsfelder Publizist Dieter Schenk im Imshäuser Gespräch, kämen im Sprachgebrauch der deutschen Polizeibehörden nicht vor. Schenk hob hervor, dass insbesondere das Wiesbadener Bundeskriminalamt, bei dem er selbst lange tätig war, eine hoch angesehene, moderne und sehr erfolgreiche Behörde sei. Trotz aller Rechtsgebundenheit ihres Agierens im eigenen Land sei, so Schenk, die deutsche Polizei aber nicht frei von jeglichem Verdacht der Unterstützung von Menschenrechtsverletzungen. Immerhin würden in rund 111 Staaten, die über das Netz der Interpol mit dem BKA eng verbunden sei, Menschen gefoltert, misshandelt oder extralegal hingerichtet.

Die deutschen Behörden, die die Sicherheitsbehörden in vielen dieser Länder durch umfangreiche Ausbildungs- und Ausrüstungshilfen massiv unterstützten, würden vor den Verletzungen grundlegender Menschenrechte in vielen Fällen im Interesse einer reibungslosen Zusammenarbeit die Augen verschließen. Dieter Schenk betonte, dass er nicht grundsätzlich dafür plädiere, die Zusammenarbeit mit diesen Staaten komplett einzustellen, sondern dass darauf geachtet werden müsse, dass gerade die Institutionen gestärkt würden, die die Kontrolle des Sicherheitsapparates gewährleisten könnten. Durch eine kritiklose Zusammenarbeit mit Folterregimen machten sich die deutschen Polizeibehörden jedoch mitschuldig, wenn sie von Ermittlungsergebnissen profitierten, die durch Folter gewonnen würden, wären sie sogar mehr als nur "stille Komplizen".

Zwei Männer und ein Kontabass: Dieter Schenk und Vitold Rek präsentierten sich bei ihrer Konzertlesung im Imshäuser Herrenhaus als eingespieltes Duo.

Die Auszüge aus seinem Buch "BKA. Polizeihilfe für Folterregime", mit denen Dieter Schenk die Zuhörer im Imshäuser Herrenhaus waren im wahrsten Wortsinne harte Kost. Kontrastiert wurden die Texte durch die Musik des international bekannten Jazz-Kontrabassisten Vitold Rek, der seinem Instrument erstaunliche Klänge entlockte, die die Anwesenden restlos von dem Vorurteil heilten, der Kontrabass sei kein Soloinstrument. Rek schuf mit seinen expressiv und teilweise lautmalerisch gestalteten musikalischen Einwürfen die nötigen Atempausen für die Zuhörer und es gelang ihm paradoxerweise mit Musik eine Atmosphäre der Stille zu schaffen. Rek kombinierte dabei Jazz- und Klezmerelemente mit osteuropäischer und insbesondere polnischer Volksmusik. Bei letzterer stellte er eindrucksvoll unter Beweis, dass sich ein Kontrabass durchaus auch als Begleitinstrument für eine Gesangsstimme eignet.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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