Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Imshäuser Tagung "Juristen im Widerstand" zu Ehren von Friedrich Justus Perels

Nur wenige wehrten sich gegen Terror und Willkür

In der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945 wurden 16 Menschen auf einem Ruinengelände nahe dem Gefängnis an der Lehrter Straße in Berlin erschossen. Unter ihnen waren Klaus Bonhoeffer und Rüdiger Schleicher sowie der Jurist Friedrich Justus Perels, dessen Geburtstag sich am 13. November 2010 zum 100. Mal jährte. Dieses besondere Datum hatten die Stiftung Adam von Trott und der Dietrich-Bonhoeffer-Verein zum Anlass genommen, um an Perels, zu erinnern, der Justitiar und Rechtsberater der Bekennenden Kirche war.

Als solcher war er für die Rechtsberatung derjenigen kirchlichen Mitarbeiter zuständig, die mit dem Nationalsozialismus in Konflikt geraten waren. Friedrich Justus Perels, der selbst ein so genannter "Mischling 2. Grades" war, setzte sich intensiv für die Rettung verfolgter Juden ein und war Mitglied der Widerstandsgruppe um Dietrich Bonhoeffer und Hans von Dohnanyi im "Amt Ausland/Abwehr". Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Perels verhaftet und zum Tode verurteilt. Sein Vater, Ernst Perels, starb im März 1945 in Sippenhaft im Konzentrationslager Flossenbürg.

Teilnehmer der Imshäuser Tagung "Juristen im Widerstand" zu Ehren von Friedrich Justus Perels .

Die Imshäuser Tagung, die maßgeblich vom Sohn Perels' Prof. Dr. Joachim Perels aus Hannover mit vorbereitet worden war, beschränkte sich jedoch nicht auf einen Rückblick in frühere Zeiten. Neben der Erinnerung an Perels und weitere Juristen, die Widerstand geleistet hatten (unter Anderem Adam von Trott zu Solz, Josef Wirmer, Richard Schmid und Wolfgang Abendroth) wurden in den Vorträgen auch Fragen der geschichtlichen Aufarbeitung sowie des gegenwärtigen und zukünftigen Umgangs mit rechtlichen Normen diskutiert. Die rund 80 Tagungsteilnehmer nutzten intensiv die Gelegenheit, mit den renommierten Referentinnen und Referenten ins Gespräch zu kommen und dabei Bezüge zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen herzustellen. So wurden beispielsweise die Möglichkeiten und Grenzen des internationalen Rechts, Angriffe auf die politischen Freiheitsrechte, das Recht auf Widerstand und das Verständnis von Entschädigung sowie Menschen- und Völkerrechte im Spannungsverhältnis zur internationalen Rohstoffpolitik thematisiert.

Prof. Dr. Joachim Perels, Sohn von Friedrich Justus Perels.

Der zentrale Begriff, der die Tagung wie ein roter Faden durchzog, war allerdings die Idee des Rechtsstaates, die gleich im ersten Referat der Veranstaltung beleuchtet wurde. Dabei wurde deutlich, dass diese für alle Juristen, die sich für den schweren und risikoreichen Weg des Widerstands entschieden hatten, der Dreh- und Angelpunkt ihres Denkens war. Dies galt umso mehr, als der NS-Staat, wie es Friedrich Justus Perels ausdrückte, der Höhepunkt der Zerstörung des deutschen Rechtsstaates war. Die Bedeutung, die der Wiederherstellung des Rechtsstaates zugemessen wurde, wird auch in den Dokumenten des Kreisauer Kreises deutlich, zu dessen Kern auch Adam von Trott gehörte. Doch, und das wurde in der Tagung ebenfalls deutlich, war es nur eine kleine Minderheit der Juristen, die sich gegen Terror und Willkür im NS-Staat auflehnte.

Unter den Gästen in Imshausen waren auch zahlreiche Mitglieder der Familie von Friedrich Justus Perels, dessen Name auch in der Nachkriegszeit nur einem relativ kleinen Kreis bekannt geworden war. Festlich wurde es spätestens am Abend des Geburtstages, als Kirchenmusikdirektor Uwe-Karsten Groß (Cembalo) und Dr. Silke Philipp (Violine) die Tagungsteilnehmer auf eine musikalische Reise in die Welt des Barock mitnahmen.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.