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Carl Wilhelm Macke im Imshäuser Gespräch über Einschränkungen der Pressefreiheit

Zartes Pflänzchen Pressefreiheit

"Wer die Medien hat, kann mit der Macht rechnen", dieser Satz des Literaturwissenschaftlers Hans Mayer, den der Journalist Carl Wilhelm Macke gleich zu Beginn des Imshäuser Gesprächs zitierte, ist alles andere eine Binsenweisheit. In vielen Ländern der Welt werden Journalisten unter Druck gesetzt und setzen in ihrer täglichen Arbeit vielfach sogar ihr Leben aufs Spiel, wenn ihre Berichterstattung Macht und Machtstreben in die Quere kommt.

Carl Wilhelm Macke, zu den Gründern des Vereins "Journalisten helfen Journalisten e.V." gehört, machte deutlich, dass gerade in Kriegs- und Krisengebieten, aber auch in anderen Regionen der Welt die Pressefreiheit ein extrem gefährdetes Gut ist. So seien allein im Jahr 2010 36 Journalisten getötet worden, viele weitere wurden inhaftiert oder gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen. Doch das Exil, so Macke, berge für Journalisten ein besonderes Arbeitshindernis. Schließlich sei ihr hauptsächliches Werkzeug die Sprache.

Carl Wilhelm Macke im Imshäuser Gespräch über Einschränkungen der Pressefreiheit.

Der Verein "Journalisten helfen Journalisten e.V." wurde 1993 aus Anlass des Todes von Egon Scotland gegründet. Scotland, der als Auslandskorrespondent der Süddeutschen Zeitung tätig war, wurde 1991 während des Krieges in Kroatien von Heckenschützen ermordet. Gerade angesichts der schwierigen Situation in vielen Ländern sei die solidarische Globalisierung im Medienbereich, für die der Verein stehe, immens wichtig. In enger Kooperation mit anderen Organisationen wie Reporter ohne Grenzen und amnesty international versuche der Verein, den gefährdeten Kolleginnen und Kollegen und ihren Familien ganz praktische Hilfen zu leisten und natürlich auch Öffentlichkeit herzustellen.

Doch es seien nicht nur alt bekannte Diktaturen und Länder mit mafiösen Herrschaftsstrukturen, die die Freiheit der Presse vielfach einschränkten. Schon die alltägliche Informationsflut, die Macke als "Informations-Tsunami" beschrieb, sei ein nicht zu unterschätzendes Problem. Eigentlich sei es die Aufgabe der Journalisten, Informationen einzuordnen und zu filtern, dies werde aber angesichts der Informationsüberflutung und des durch die Veränderungen in der Medienlandschaft zunehmenden Zeitdrucks immer schwieriger. Auch Entwicklungen wie die zunehmende Personalisierung der Berichterstattung - immer häufiger würden darüber politische Zusammenhänge in den Hintergrund gedrängt - sowie die ebenfalls zunehmende Bedeutung von Skandalkampagnen würden die Pressefreiheit auch in "freien" Demokratien behindern.

Macke betonte, dass bei diesen Entwicklungen das Internet zwar gelegentlich die Schwierigkeiten verstärke, dass es aber andererseits häufig auch ein Mittel sein könne, das die Veröffentlichung ansonsten unterdrückter Informationen ermöglichen könne. Dies habe man unter Anderem bei den Demonstrationen nach den Wahlen im Iran beobachten können. Daher sei es zu einfach, die elektronischen Medien zu verteufeln und sich zu sehr an das Papier zu klammern. Beide Wege zur Informationsgewinnung seien wichtig, man müsse sich allerdings bewusst machen, dass sich im Zeitalter des Internets nicht nur das Konsumverhalten der Nutzer verändere, sondern auch das Leseverhalten, was sich wiederum erheblich auf die angebotenen Inhalte und Formen auswirke. Wichtig sei gerade angesichts des Übermaßes an Informationen, dass es auch weiterhin einen qualitativ hochwertigen und professionellen Journalismus geben müsse, der sich nicht nur am Eiligen orientiere. Dazu, so betonte Macke, müsse die derzeit bereits geführte Diskussion über das Berufsbild von Journalisten auf jeden Fall weiter geführt werden.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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