Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Von der Schöpfungsgeschichte bis zum Internet

Im Laufschritt durch die Geschichte der Medien

"Am Anfang waren die Medien" - schon der Beginn des Imshäuser Gesprächs mit Professor Dr. Jochen Hörisch war eine kleine Provokation, bei der die biblischen Anklänge nicht ganz von ungefähr kamen. Damit hatte Hörisch schon zu Beginn knapp umrissen, welchen großen Bogen er in seinem Vortrag in nur 45 Minuten schlagen wollte. Bereitwillig ließ sich das Publikum auf den geistigen Parforceritt durch die Geschichte der Medien ein und kam dabei auch im Hinblick auf Kurzweiligkeit voll auf seine Kosten. Hörisch zog Parallelen zwischen Religion und Wirtschaft, indem er die Funktionsweise des Zentralbankrates der Europäischen Zentralbank mit der des päpstlichen Konklave verglich, setzte die "Leitmedien" Hostie, Münze und CD in Beziehung zueinander und führte seine Lieblingsband, die Beatles als Kronzeugen für die Entwicklung der Medien an.

Worte und Erzählungen seien, so Hörisch die frühesten Medien und so sei schon die Kommunikation zwischen Gott und den Menschen von Kommunikations- und Medienproblemen geprägt gewesen. Als augenfälliges Beispiel führte Hörisch unter Anderem den Turmbau zu Babel an, der stellvertretend für viele Kommunikationsdesaster in der langen Geschichte der Medien stehe. Deutlich wurde gleich zu Beginn, dass die Mediengeschichte nicht erst mit der Einführung des Internet begann und dass Hörischs Mediendefinition sehr viel mehr umfasst, als Buch, Fernseher, Zeitung oder Internet. Die Gegenüberstellung gut gleich alt und neu gleich schlecht gehe nicht auf: Medienrevolutionen machte der Referent schon bei Mose und seinen Tontafeln aus und auch Luther sei ein echter "Medienfreak" gewesen.

Professor Dr. Jochen Hörisch.

Den Beginn der neueren Mediengeschichte machte Hörisch beim Buchdruck aus, während der nächste große Schritt, die "Verbildlichung" mit der Entwicklung von Fotographie und Kinematographie im 19. Jahrhundert erfolgt sei. In vielen Fällen seien wichtige Entwicklungen im Bereich der Medien durch militärische Technologien angestoßen worden.

Allen Fortschritten in der Vergangenheit zum Trotz sehe es gerade in der neuesten Mediengeschichte so aus, als sei die Technologie in mancher Hinsicht an ihre Grenzen gestoßen: Ein Brief könne seinen Empfänger nicht schneller erreichen, als er geschrieben werden könne und auch die Qualität von Musik und Bildern könne derzeit offenbar nicht mehr weiter gesteigert werden.

Trotz aller launigen Betrachtungen der Technologien und Entwicklungen waren von Hörisch jedoch durchaus auch kritische Töne zu hören. So seien die Medien dabei, wichtiger zu werden als die Inhalte, die sie transportierten. Hörisch rief dazu auf, bewusst mit Medien umzugehen. Alle Menschen fühlten sich grundsätzlich als Medienkritiker, gingen aber viel zu wenig kritisch mit Medien um. Dass es aber durchaus alternative Handlungsoptionen gebe, sei am Beispiel des Imshäuser Gesprächs deutlich sichtbar geworden: Der Referent wies darauf hin, dass es durchaus wohltuende Wirkung haben könne, sich dem anachronistischen Brauch hinzugeben, direkt miteinander zu sprechen.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
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Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.