Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Medienpädagogin sprach in Imshausen über kindlichen Medienkonsum

Kinder sind lieber draußen

"Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr", dieser Leitsatz gilt nach Überzeugung der Medienpädagogin Dr. Paula Bleckmann, die auf Einladung der Stiftung Adam von Trott und der Friedrich-Ebert-Stiftung nach Imshausen gekommen war, eindeutig nicht für die Nutzung von Bildschirmmedien durch Kinder. Es könne nicht darum gehen, Kinder möglichst schon im Kindergartenalter mit dem Konsum von Medien vertraut zu machen, sondern ihnen möglichst viele Kompetenzen mit auf den Weg zu geben. Diese könnten, so Bleckmann, meist besser durch Aktivitäten wie Vorlesen, Seilspringen oder gemeinsames Kochen trainiert werden, als durch das Hantieren mit der Computermaus.

Kinder könnten und sollten nicht komplett vom Medienkonsum abgehalten werden, sondern sie müssten lernen, kritisch und selbstbewusst mit ihnen umzugehen. Paula Bleckmann betonte, dass vieles dafür spräche, dass Kinder, die erst relativ spät mit Fernseher und Computer in Berührung kämen, dies besser lernten als solche, die schon früh zu Vielkonsumenten würden. Die Medienpädagogin plädierte dafür, die Versprechen der Medienindustrie und der Hersteller von Computerspielen, die vielfach mit der Möglichkeit zum Lernen und zur Entwicklung besonderer Fähigkeiten werben würden, kritisch zu betrachten und Kindern die Spielräume zu öffnen, die sie zum gesunden Aufwachsen bräuchten. Und dabei, so betonte Bleckmann, die selbst Mutter dreier Söhne ist, gehe es gerade nicht darum, Eltern mit dem erhobenen Zeigefinger Horrorszenarien auszumalen oder zu entscheiden, welches Computerspiel und welche Fernsehsendung die beste sei, sondern darum die tatsächlichen Bedürfnisse von Kindern im Blick zu behalten.

Dr. Paula Bleckmann.

Bleckmann konstatierte, dass sich die Kindheit sich zwar in den zurückliegenden Jahrzehnten, nicht zuletzt durch immer neue technische Innovationen, rasant verändert hätte. Demgegenüber seien die Bedürfnisse der Kinder ihrer Beobachtung nach relativ konstant geblieben. Kinder verbrächten zwar faktisch sehr viel Zeit mit Computer, Fernseher und anderen Medien, frage man sie jedoch, was sie am liebsten täten, so würden an erster Stelle Freunde treffen und draußen spielen genannt.

Erschreckend sei für sie, dass die Ergebnisse vieler Studien dafür sprächen, dass gerade die Kinder, die zu den Pisa-Verlierergruppen wie Kindern mit Migrationshintergrund und aus bildungsfernen Milieus zählten, überproportional mehr Zeit mit elektronischen Medien verbrächten, als diejenigen, aus eher bildungsnäheren Schichten.

Am Beispiel einer Untersuchung an 15jährigen Jugendlichen machte Bleckmann deutlich, dass sowohl die Nutzungsdauer wie auch die Ausstattung mit Medien in dieser Gruppe zunähmen. Durchschnittlich verbrächten die Jugendlichen der Kontrollgruppe in ihrer Freizeit täglich sechs Stunden mit dem Konsum elektronischer Medien und rund drei bis fünf Prozent unter ihnen müssten als abhängig beziehungsweise gefährdet bezeichnet werden.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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