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Medienpädagogin über die Nutzung des Internets durch Jugendliche

In den Chatraum statt auf den Dorfplatz

Online-Räume, die über das Internet oder das Handy erschlossen werden können, sind für viele Jugendliche heute das was früher der Dorfplatz war. Diese Erkenntnis stand im Mittelpunkt des Vortrages, mit dem die stellvertretende Direktorin des Münchener Instituts für Medienpädagogik, Ulrike Wagner, das erste Imshäuser Gespräch des Jahres eröffnete. Das Institut betreibt seit vielen Jahren intensive Forschungen zur Mediennutzung insbesondere durch junge Menschen - früher vor allem zu Film und Fernsehen heute schwerpunktmäßig zur Nutzung digitaler Medien. Dabei sei es auch für Wissenschaftler schwierig, die Übersicht zu behalten, weil das Internet ein sehr schnelllebiges Medium sei, in dem ständig ebenso viele neue Angebote entstehen wie verschwinden, erklärte Wagner.

Sie betonte, dass die so genannten "Online-Communitys", zu denen unter anderem SchülerVZ, Facebook und Myspace gehören, derzeit ihre Nutzerzahlen sehr schnell steigerten. Genutzt würden sie vor allem von jungen Menschen, die hier allerdings nicht nur passiv konsumierten, sondern das Internet auch als Hilfsmittel verwendeten, um an ihrem Selbstbild zu arbeiten, sich in Beziehung zu anderen zu setzen und Erkenntnisse über die Orientierung in der Welt zu sammeln. Laut Wagner setzen Jugendliche dabei unterschiedliche Schwerpunkte: "Sie nutzen Internet-Angebote, um sich über ihre eigenen Interessen wie Musik und Fernsehserien auszutauschen, sie demonstrieren die Zugehörigkeit zu einer spezifischen Jugendkultur und sie kommunizieren miteinander, wobei allerdings die Kommunikation sich meist in dem Freundeskreis abspiele, der auch das reale Leben der Jugendlichen bestimmt".

Ulrike Wagner.

Dabei werde nicht nur fleißig gechattet und gespielt, es würden auch kreative Potenziale ausgeschöpft, indem beispielsweise eigene Film-, Foto- und Musikproduktionen über das Netz ausgetauscht und weiter entwickelt würden. Für viele Jugendliche mit Migrationshintergrund könne das Internet darüber hinaus eine Brücke sein, die sie mit Familienmitgliedern im Herkunftsland verbinde.

Obwohl die exzessive Nutzung digitaler Medien von Erwachsenen immer wieder kritisiert werde, seien Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit ihnen heute hoch angesehen. "Man braucht es für den Beruf oder wer nicht damit umgehen kann, ist dumm - das sind Antworten, die viele Jugendliche auf entsprechende Fragen formuliert haben", berichtete Ulrike Wagner.

Sie wies darauf hin, dass das Netz nicht nur neue Chancen und Möglichkeiten eröffne, sondern auch zur Bedrohung werden könne. Erschreckend viele jungen Menschen hätten bereits selbst Erfahrungen mit Verletzungen der Privatsphäre, Mobbing und Belästigungen und virtuellen Kostenfallen gemacht. Und nicht immer sei deutlich erkennbar, wo durch das Herunterladen von Musik oder Filme Urheberrechte verletzt würden, auch dies könne die Jugendlichen im Zweifelsfalle teuer zu stehen kommen, sagte Wagner.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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