Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Nachruf auf Heinrich von Trott zu Solz

Persönlichkeit, die bleiben wird

Von Vera Walger

Heinrich von Trott zu Solz war eine Persönlichkeit. Es war nicht möglich, mit ihm in einem Raum zu sein und ihn nicht zu bemerken. Es war kaum möglich, ihn kennen zu lernen, ohne von ihm fasziniert zu sein. Vielen ganz unterschiedlichen Menschen wird er im Gedächtnis bleiben. Denn er war ein Mann, der die Vergangenheit stets im Blick hatte und trotzdem bis ins hohe Alter wach und neugierig blieb für die Gegenwart.

Heinrich von Trott starb am vergangenen Mittwoch im Alter von 91 Jahren. Mit ihm stirbt ein Schatz an Erfahrung, Wissen und Erkenntnis. Es war ein Schatz, den er immer gern weitergegeben hat, auch an junge Menschen. Die Geschichte seines Landes und seiner Familie war schmerzhaft für ihn und war gerade deshalb sein großes Interesse, seine Mission. Seine Ansichten vertrat er mit Leidenschaft und Warmherzigkeit, ohne Scheu vor der Auseinandersetzung.

Heinrich von Trott zu Solz.

Als zweitjüngstes Kind von August und Eleonore von Trott wurde Heinrich am 16. Mai 1918 geboren. Er wuchs im Imshäuser Herrenhaus auf, heute Sitz der Stiftung Adam von Trott. Nach dem Forstwirtschaftsstudium musste Heinrich von Trott im Zweiten Weltkrieg als Soldat nach Russland, später nach Frankreich. Nur als ganz junger Mann hatte er sich kurzzeitig für den Nationalsozialismus begeistert, um sich dann entschieden von dieser Ideologie abzuwenden. 1944 desertierte er.

1944 war auch das Jahr, als das Hitler-Attentat des 20. Juli missglückte. Heinrich von Trotts älterer Bruder Adam gehörte zu den Mitgliedern des Kreisauer Kreises. Im Alter von 35 Jahren wurde er hingerichtet. Die Erinnerung an Adam blieb in Heinrich von Trott stets lebendig.

Nach dem Krieg kehrte Heinrich von Trott nach Imshausen zurück. Wie seine Geschwister Werner und Vera setzte er sich dafür ein, auf der Grundlage der Tradition Neues zu schaffen. Er wirkte mit am Aufbau des Tannenhofs und betrieb bis 1977 ein Sägewerk.

Heinrich von Trott zu Solz lebte bis zum Schluss in seinem Haus in der Pochmühle bei Süß. Dort gab es vieles, was ihn glücklich machte: den Wald, die Stille, seinen Teich mit den Enten, seine Bücher, viele Gäste, die immer willkommen waren. Und es gab die Familie, allen voran seine geliebte Frau Elisabeth, die 2003 starb. Die beiden sind Eltern von fünf Kindern: Nikolaus, der 1977 tödlich verunglückte, Anna, Jan, Levin und Clemens. Letzterer lebt mit seiner Frau Gabriele und den Kindern Jana, Lena und Nicolas ebenfalls in der Pochmühle.

Die katholische Kirche in Richelsdorf, deren Initiator und Miterbauer er war, konnte gestern die vielen Trauernden kaum fassen. Anschließend wurde Heinrich von Trott zu Solz auf dem Familienfriedhof in Imshausen beigesetzt.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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