Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Bischof Dr. Martin Hein würdigte Adam von Trott im Festgottesdienst

Ohne Scheu vor den Folgen

Von Herbert Vöckel

Die Feiern zum 100. Geburtstag von Adam von Trott zu Solz wurden mit einem Festgottesdienst beendet. Zur gemeinsamen Abschlussveranstaltung von Kommunität, der Stiftung Adam von Trott und dem evangelischen Kirchspiel Solz trafen sich Familienangehörige des Widerstandskämpfers, darunter seine Witwe Clarita und die Töchter Verena und Clarita, Freunde und Bekannte auf dem Tannenhof oberhalb Imshausens.

Zu den Besuchern gehörten auch Mitglieder der Kirchengemeinden Gilfershausen, Imshausen, Solz und Mönchhosbach sowie Menschen, die sich dem am 26. August 1944 von den Nationalsozialisten hingerichteten Adam von Trott verbunden fühlten. Gestaltet wurde der Gottesdienst von Pfarrer Axel Dück, Schwester Angelika und den Brüdern Peter und Philipp von der Kommunität Imshausen. Die Festpredigt hielt der Bischof der Evangelischen Landeskirche von Kurhessen-Waldeck, Professor Dr. Martin Hein.

Pfarrer Axel Dück, Bischof Dr. Martin Hein, Bruder Philipp Kämpfer und Ute Janßen (v.l.n.r.).

"Auf den Tag genau vor 100 Jahren wurde Adam von Trott in Potsdam geboren: ein Kosmopolit", stellte der Bischof fest. dennoch sei von Trott der nordhessischen Heimat seiner Familie aufs Engste verbunden gewesen. Adam sei ein rastlos Reisender gewesen, der schon früh das Verderben erkannt habe, das der Nationalsozialismus bringen würde, betonte Dr. Hein in seiner Predigt.

Adam von Trott habe gehofft, seine vielen internationalen Kontakte für die Sache des deutschen Widerstands zu nutzen. Er habe sich aber auch nicht geScheut, die Konsequenzen seiner Überzeugung bis in den gewaltsamen Tod hinein auf sich zu nehmen. Nur 35 Jahre sei er alt geworden: einer der jüngsten im engeren Kreis des deutschen Widerstands, aber zugleich einer der aktivsten, erklärte der Bischof. Bereits 1935 sei dem damals 26-Jährigen in aller Klarheit bewusst gewesen, dass "wir uns mit einer Epoche abfinden müssen, in der die Wahrscheinlichkeit für ein vorzeitiges Lebensende steht".

Viel sei Adam von Trott gegeben worden: das familiäre Umfeld, das ihm die Türen zu einflussreichen Kreisen im In- und Ausland geöffnet habe; eine beeindruckende Weitsicht, die es ihm ermöglichte, die verschiedenen Richtungen des Widerstands beieinander und gesprächsbereit zu halten; eine noble Liberalität, mit der er andere für sich gewinnen konnte, aber auch eine immense Beharrlichkeit, die Dinge voranzutreiben, die ihm wichtig waren.

Doch Adam von Trott habe man nicht nur viel gegeben, man habe auch viel von ihm gefordert. Am Ende der höchste Preis: das Opfer des Lebens. Das solle nicht vergeblich sein. Der Bischof erinnerte an die Inschrift auf dem Gedenkstein unter dem Kreuz hoch über Imshausen: Bittet für sie. Beherzigt ihr Beispiel.

Die Kollekte des Gottesdienstes erbat Verena Onken von Trott für ein Hilfsprojekt im Sudan: ein Modell im Zentrum der Konflikte. Mitgestaltet wurde der Festgottesdienst von einem Posaunen-Kreisauswahlchor unter Leitung von Tom Langlotz.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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