Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Gedenkfeier für den Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz

Beherzigt ihr Beispiel

Von Manfred Schaake

Seit genau 25 Jahren kommen die Menschen am 20. Juli am Trottenkreuz in Imshausen zusammen, um Adam von Trott zu Solz und die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 zu ehren und ihrer zu gedenken. Und immer wieder stellt sich die Frage: "Wie können wir das angemessen tun?" Das sagte am Montagabend der frühere Ministerpräsident Dr. Dr. Reinhard Höppner aus Magdeburg.

Beherzigt ihr Beispiel, steht auf dem Gedenkstein für Trott. "Wir werden viel Fantasie brauchen, um das heute dazu Notwendige zu entdecken und zu tun", sagte Höppner: "Vermutlich sind es eher die kleinen Schritte, nicht die großen Heldentaten. Sie tatsächlich zu gehen, das könnte heute in der Tat das sein, was uns aufgetragen ist." Darin könnte die Ehre bestehen, die wir den Hingerichteten heute erweisen sollen, sagte Höppner: "Beherzigt ihr Beispiel, indem Ihr in der Spur glaubwürdigen Lebens bleibt - das ist geboten."

Gedenken unter dem Trottenkreuz.

Höppner erinnerte an Trotts Studien in einer für damalige Verhältnisse bereits großen Weltoffenheit und Weite, an seine intensiven Beziehungen zu den Kreisauern und an seine Visionen von einem föderativen Europa und seine nahezu vergeblichen Bemühungen, unter den gegen Hitler kämpfenden Mächten für die Attentatspläne Verbündete oder doch wenigstens Verständnis zu finden.

All das, sagte Höppner, enthebe uns nicht der Frage, wie angemessenes Erinnern heute aussehen könne. Für die Schrecken des Dritten Reiches, für Holocaust, für Widerstand und Kriegsverbrechen und selbst für das alltägliche Leben in diesem Deutschland gebe es nur noch wenige Zeitzeugen.

Schüler machten sich auf Spurensuche. Und das sei gut so und notwendig angesichts der Tatsache, dass es immer wieder Menschen gebe, "die das unfassbar grausame, das millionenfache Leid leugnen, nicht wahrhaben wollen". Sie seien mitten unter uns.

Höppner: "Das Schlimme ist: Mit Fremdenhass und immer brutaler werdender Gewalt nicht nur gegen Ausländer ziehen sie ihre Spur menschlicher Verwüstung. Ihnen Widerstand entgegen zu setzen, nicht wegzuschauen, den Anfängen zu wehren - das alles gehört zu einem angemessenen Erinnern." Dies gelte auch international.

Es gehe nicht darum, einen Helden oder Märtyrer zu verehren, erklärte Höppner. Es gehe im Kern um die Frage: "Was können wir aus dieser Geschichte lernen? Können wir überhaupt aus dieser Geschichte lernen, und sind wir nicht so wie Kinder, die ihre Fehler alle selber machen müssen?"

Die brennende Frage der nachgeborenen Generation war nach den Worten Höppners: "Was habt ihr gewusst?" Das fatale Schweigen der Nachkriegszeit sei aufgebrochen worden, habe Wunden freigelegt, "die nicht vernarben wollten und konnten - auch in diesem Imshäuser Tal".

25 Jahre erst - so formulierte Reinhard Höppner - "versammeln wir uns - auf Initiative von SPD und Stiftung - hier am Kreuz".


Der Albtraum der Nazijahre

Erinnern an die erste Feierstunde für Trott

Der damalige Bebraer Bürgermeister August-Wilhelm Mende (SPD) war der Initiator der Gedenkfeiern für den Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz. An die Initiative erinnerte Wilfried Pfister bei der jüngsten Feier am Montagabend. Am 20. Juli 1984 hatte die erste öffentliche Feier im Gedenken an den Widerstand gegen das Naziregime stattgefunden.

Pfister zitierte die Witwe, Dr. Clarita von Trott zu Solz. Sie schrieb 2004 in einer Dokumentation, die Wilfried Pfister und Holger Stunz herausgegeben haben: "Nun fand sich auch ein Mann, der das immanente Angebot des Ortes aufgriff in Gestalt eindrucksvoller Feierstunden an den jährlichen Gedenktagen des 20. Juli 1944. Es war der unvergessliche Bebraer Bürgermeister August-Wilhelm Mende, dem auch die Benennung zahlreicher Straßen seiner Stadt nach Widerstandskämpfern zu danken ist. Und jetzt entwickelte sich ein Zusammenwirken all jener, denen die Erinnerung an den Albtraum der Nazijahre und an die todesmutigen, wenn auch vergeblichen Befreiungsversuche wichtig waren." Seit 1994 gestaltet der SPD-Unterkreis Rotenburg gemeinsam mit der Stiftung Adam von Trott die Feierstunde, erläuterte Pfister. Viele Rednerinnen und Redner aus unterschiedlichen Lagern, mit unterschiedlichen religiösen Auffassungen und mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen "haben seit 1984 ihre eigenen Reflektionen zum Thema Widerstand hier eingebracht", formulierte Pfister. Ein wichtiger Aspekt sei der Ost-West-Gedankenaustausch.

Die Gedenkfeiern am Kreuz hätten in den 25 Jahren mit dazu beigetragen, Verständnis für die Probleme der anderen - ob Deutsche in Ost und West oder die europäischen Nachbarn - zu wecken. Dies gelte auch und vor allem für die segensreiche Arbeit der Stiftung Adam von Trott. (m.s.)

Diese Artikel sind erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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