Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Internationale Konferenz: Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern im Gedankenaustausch

Die Suche nach Europas Seele

Mit einem ersten, ganz besonderen Geburtstagsgeschenk begann der Reigen der Veranstaltungen, die die Stiftung Adam von Trott in Imshausen anlässlich des 100. Geburtstages ihres Namensgebers in diesem Jahr ausrichtet. Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern waren im Vorfeld der Konferenz "Europas Seele suchen", für die Staatsminister Günter Gloser vom Auswärtigen Amt die Schirmherrschaft übernommen hatte, dazu aufgerufen worden, sich aus verschiedenen Perspektiven der europäischen Idee anzunehmen.

Gibt es so etwas wie eine europäische "Seele", wo liegen die Wurzeln der Idee eines geeinten Europa und wo sind die Brücken und Grenzlinien zwischen den verschiedenen Staaten zu finden? Diese und andere Fragen stellten sich die Referenten und Teilnehmer, die aus den USA, Kanada, Frankreich, Estland, Italien, Armenien, der Ukraine, Deutschland und der Schweiz nach Imshausen gekommen waren. Neben historischen und politikwissenschaftlichen Vorträgen zum Phänomen Europa wurde es an diesem Wochenende auch aus sprachwissenschaftlicher und philosophischer Sicht beleuchtet. Gerade der interdisziplinäre Blick von außen auf den "alten" Kontinent trug dazu bei, dass zwischen den Vorträgen, am Ende aber auch in den Pausen intensiv diskutiert wurde. Die Teilnehmer betonten, dass es nicht nur die thematische Ausrichtung der Konferenz gewesen sei, die eine sehr dichte Atmosphäre geschaffen habe, sondern vor allem der Ort selbst, das Herrenhaus und seine Umgebung, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eine einmalige Verbindung eingingen.

Verena Onken-Trott im Gespräch mit Julia Sushytska und Elana Passman.

Eines der Schwerpunktthemen war der Einfluss des Widerstandes gegen die nationalsozialistische Diktatur und insbesondere Adam von Trotts für die Entstehung eines geeinten Europa. Dabei wurde sowohl der Einfluss des Kreisauer Kreises herausgestellt, dessen außenpolitischer Kopf Adam von Trott gewesen war. Dieser hatte schon vor dem Zweiten Weltkrieg Neuordnungspläne für Deutschland in einer europäischen Föderation entwickelt hatte, wie auch die Ideen Harro Schulze-Boysens, der Mitglied des kommunistischen Widerstandsnetzwerkes "Rote Kapelle" war.

Doch es war nicht nur der Blick auf den Namensgeber des Hauses, der den Austausch beflügelte. Zu hören waren unter anderem Referate über die Akzeptanz der EU bei ihren Bürgern, über die Erinnerungspolitik in den baltischen Staaten, über innere und äußere Grenzlinien zwischen Ost und West, über den Einfluss der katholischen und orthodoxen Kirchen auf den Einigungsprozess und über die kulturellen Wurzeln des "alten" Europa.

Ein gemeinsamer Besuch der Gedenkstätte "Point Alpha" in Rasdorf schloss die Konferenz ab. Hier wurden den Konferenzteilnehmern nach der theoretischen Beschäftigung mit Europa die praktischen Auswirkungen der Teilung des Kontinents plastisch und eindringlich vor Augen geführt.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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