Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Imshäuser Gespräch zur Ökumenischen Bewegung von 1989

Laufen wie auf Glatteis

Was ist geblieben von den Hoffnungszeichen von 1989? Eine eher ernüchterte Antwort gaben Elisabeth und Konrad Raiser beim Imshäuser auf die Frage nach den bleibenden Wirkungen der Ersten Europäischen Ökumenischen Versammlung die um Pfingsten 1989 in Basel stattfand: Zwar seien hier erstmals mehr als 700 Delegierte aus fast allen europäischen Ländern und Kirchen in Basel zusammen gekommen und es sei engagiert über zentrale Zukunftsfragen gestritten und diskutiert worden.

Allerdings seien von der Konferenz ihrer Einschätzung nach nicht so nachhaltige Impulse für die Entwicklung der Zivilgesellschaft insbesondere in den Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes ausgegangen wie angesichts der sehr ambitionierten Vorarbeiten zu hoffen gewesen wäre. Einzigartig sei jedoch die Beteiligung der Basis an dieser Konferenz gewesen. Wichtige Wirkungen habe sie vor allem dadurch entfaltet, dass von ihr der konziliare Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ausgegangen sei.

Elisabeth und Konrad Raiser.

Der ehemalige Generalsekretär des Ökumenischen Rates und Mitgestalter des Baseler Schlussdokumentes, Konrad Raiser betonte, dass die Baseler Konferenz eher als Folge und Frucht eines vorangegangenen Prozesses denn als Aufbruchszeichen bewertet werden müsse. Zuvor habe es insbesondere in den Ländern des ehemaligen "Ostblocks" wichtige Entwicklungen zu mehr zivilgesellschaftlichem Engagement gegeben. Raiser nannte hier als Beispiele die Helsinki-Bewegung, die Charta 77, die Gewerkschaft Solidarnoscz sowie die zahlreichen Friedens- und Umweltgruppen, die sich vor allem unter dem Dach der Evangelischen Kirche in der DDR versammelt hätten. Sehr schnell seien jedoch die ermutigenden Ergebnisse hinter die Dynamik der Umwälzungen in Ost- und Mitteleuropa zurückgetreten.

Auch Elisabeth Raiser berichtete, dass die Umbrüche die vorhandenen Bewegungen massiv verändert hätten. Plötzlich seien die Menschen mit sehr existenziellen Fragen konfrontiert gewesen und hätten sich mit völlig anderen als den in Basel diskutierten Themen beschäftigen müssen. Diesen Zustand umschrieb Raiser mit dem treffenden Bild des Laufens wie auf Glatteis. So nehme es nicht Wunder betonte die engagierte Laiin, dass die damals wie heute diskutierten Zukunftsfragen wie beispielsweise der Klimaschutz, die "Grüne Gentechnik", der Artenschutz nach 1989 zunächst aus der Öffentlichkeit verdrängt worden seien.

Doch es ist nicht nur ein Eindruck von Ernüchterung der bei den engagiert diskutierenden Zuhörern im Visser 't Hooft-Haus zurückblieb: Es wurde deutlich, dass die Entwicklung der Ökumene weiter fortgeschritten ist, wenn auch stärker an der Basis als an der Spitze der großen Kirchen und dass es trotz aller Unkenrufe über fehlenden engagierten Nachwuchs haben neue Hoffnungsträger gibt, die zwar anders als früher aber dennoch nicht ohne Wirkung an der Lösung der großen Zukunftsfragen weiterarbeiten.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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