Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Ute Janßen stellt Bezug zur Region her

Ziviler Widerstand der Jungen fehlt

Wie eng die Verbindung der Stauffenberg-Geschichte zu unserer Region ist, erläuterte Ute Janßen, Geschäftsführerin der Stiftung Adam von Trott in Imshausen. Noch am Abend vor dem 20. Juli, dem Tag des Attentats, habe Stauffenberg Adam von Trott in dessen Berliner Privatwohnung besucht, erklärte sie. "Die enge Verbindung ist auch deshalb aufgeflogen, weil Stauffenbergs Fahrer das Fahrtenbuch so sorgfältig führte und diesen Besuch dokumentierte", berichtete Janßen.

Von Trott sollte nach dem geglückten Attentat bereits am nächsten Tag nach England fliegen, um Gespräche zu führen. In der geplanten Reichsregierung unter Carl Friedrich Goerdeler als neuer Kanzler und Generaloberst a.D. Ludwig Beck als Reichsverweser - also als provisorisches Staatsoberhaupt - war von Trott als Staatssekretär des Auswärtigen Amtes vorgesehen.

"Durch Beck und Goerdeler wird der zivile Widerstand im Film zwar dargestellt - da aber nur dessen alte Vertreter in Form von Zauderern gezeigt werden, wird dies den wahren Begebenheiten nicht gerecht", sagte Janßen. Die jüngeren Vertreter des zivilen Widerstandes, die stärker zur Umsetzung des Attentats gedrängt hätten und zu denen Adam von Trott gehörte, fehlten. "So muss der zivile Widerstand leider als dunkle Folie herhalten, vor der Tom Cruise als Stauffenberg-Darsteller noch heller strahlen kann", sagte die Stiftungssprecherin.

Adam von Trott zu Solz.

Allerdings könne man in einen Spielfilm nicht alles hineinpacken, was in einer historischen Dokumentation möglich sei. Der Film könne aber eine gute Anregung sein, sich mit den tatsächlichen Biografien der Widerstandskämpfer zu beschäftigen. "Die echten Biografien können spannender sein als so mancher Krimi", sagte sie.

Von Trott, der in diesem Jahr am 9. August 100 Jahre alt geworden wäre, sei leider nach wie vor nicht so bekannt, wie es seiner Bedeutung für den Widerstand angemessen sei. Dies nahm HNA-Redaktionsleiter Manfred Schaake, der die Diskussion nach dem Film moderierte, zum Anlass, anzuregen, "eine lebendige Einrichtung zum Gedenken an diesen bedeutenden Widerstandskämpfer in Bebra nach ihm zu benennen".

Es gebe mit Imshausen bereits einen ganzen Stadtteil, der sich damit beschäftige, entgegnete Bebras Bürgermeister Horst Groß. Er wolle den Vorschlag aber gerne aufgreifen. "Ich bin froh und stolz darüber, dass wir mit der Stiftung im Imshäuser Herrenhaus eine Enrichtung haben, die dort so aktiv etwas leistet", sagte Groß. Zudem gebe es mit der Von-Trott-zu-Solz-Straße am Bünberg in Bebra bereits eine Straße, die an den Widerstandskämpfer erinnere.

"Man sollte mit einer neuen Einrichtung keine Konkurrenz zur Stiftung in Imshausen schaffen", sagte CDU-Kreisvorsitzender Helmut Heiderich. Kinobetreiber und Hotelier Karl Werner Rehs erinnerte daran, dass sich im Hotel Röse ein halbes Jahr vor dem Attentat von Trott mit Stauffenberg und Generalfeldmarschall Erwin Rommel getroffen habe: "Meine Mutter hat das immer erzählt - sie haben bei uns gesessen und Erbsensuppe gegessen", berichtete Rehs. (pgo)

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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