Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Diskussion nach Stauffenberg-Film

Es gab auch viele andere

Von Peter Gottbehüt

Am Ende erstmal betroffenes Schweigen. Die eindrucksvolle Bildgewalt, mit der Hollywood-Regisseur Bryan Singer die Hinrichtung der Verschwörer vom 20. Juli 1944 filmisch umsetzt, lässt keinen kalt. In "Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat" arbeitet er akribisch den gescheiterten Versuch, Adolf Hitler umzubringen, auf. Am Donnerstagabend zeigte das Bebraer Biber-Kinocenter den neuen Streifen, der bereits im Vorfeld für Gesprächsstoff gesorgt hat, in einer Sondervorstellung mit anschließender Diskussion.

Diskussionsrunde.

"Für die Wahrnehmung des Deutschen Widerstandes im Ausland ist dieser Film sehr wichtig", sagte Ute Janßen, Geschäftsführerin der Stiftung Adam von Trott. Das immense Interesse, das im Kielwasser dieser Verfilmung am Thema entstehe, sei von großer Bedeutung. "Was der Film leistet, ist, die Diskussion anzuheizen - und das ist äußerst positiv", sagte Janßen.

Der Film zeige in beeindruckender Weise die Komplexität der Entscheidungslage - "was allerdings sehr schwach ist, ist die Darstellung des Umfeldes und des damaligen Nazi-Deutschlands", sagte Helmut Heiderich, CDU-Kreisvorsitzender. Dabei werde zu kurz gegriffen. Wenn der Film im Ausland gesehen werde, fehle vielen Zuschauern sicher die Begründung, warum sich dieser Widerstand so entwickelt habe, sagte Heiderich. Um das zu verstehen, fehlten wichtige Darstellungen.

"Gut ist, dass der Film zeigt, dass Deutschland kein geschlossener Block hinter Hitler war - es gab auch viele andere", erklärte Heiderich. Dieser filmische Beleg könne das Bild von Deutschland im Ausland verbessern.

"Dieser Film kann bewirken, dass sich die jüngere Generation mit dem Thema beschäftigt", sagte Jochen Paulus, stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP. Er schlug vor, dass Schulklassen sich den Film gemeinsam ansehen sollten. Dem widersprach Herbert Höttl, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion: "Um etwas über Nazi-Deutschland zu erfahren, dazu gibt der Film zu wenig Anhaltspunkte", sagte er. Insofern sei er für Schüler nur geeignet, um den 20. Juli aufzuarbeiten.

Das Teuflische der Nazi-Herrschaft werde im Film "Der Untergang" besser herausgearbeitet, sagte Wolfgang Dippel von der Bebraer SPD-Fraktion.

Der Film mache deutlich, wie entscheidend das Militär gewesen sei, um das Vorhaben des Umsturzes durchzusetzen, fand Vincens Helm, Mitarbeiter der Trott-Stiftung. Er stelle eindrucksvoll dar, "wie schwierig es war, diese Hürden damals zu überwinden". Angesichts dessen sei es kaum vorstellbar, wie es vor 20 Jahren in der damaligen DDR möglich gewesen sei, "eine solche Maschinerie umzukippen und das System friedlich abzulösen".

Positiv vom Film überrascht zeigte sich auch Kinozuschauer Karl Knoth aus Bebra. Er habe sich wegen der Diskussion um Hauptdarsteller Tom Cruise lange überlegt, ob er sich den Film ansehe. Von der Detailtreue sei er allerdings begeistert, sagte Knoth, auch wenn alles etwas eindimensional auf die Figur Stauffenbergs zugeschnitten sei.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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