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Ein einzigartiges Datum

Einschneidende Ereignisse in Deutschland am 9. November

Revolutionen laufen nicht nach Plan, und meist wird nicht das erreicht, was sich die Initiatoren im Vorfeld von ihnen versprochen haben. Dieses Fazit zog Professor Dr. Christian Jansen jüngst am Schluss seines Vortrages in Imshausen. Der Berliner Historiker hatte den Zuhörern in der gut besuchten Halle des Imshäuser Herrenhauses zuvor den 9. November als besonderes „deutsches“ Datum vorgestellt. Man könne fast in eine Art Zahlenmystik verfallen, wenn man sich anschaue, welche wichtigen historischen Ereignisse an einem 9. November geschehen seien: Die Reichspogromnacht, Hitlers Marsch auf die Feldherrnhalle und der Mauerfall von 1989.

Neben diesen Marksteinen der deutschen Geschichte seien zwei andere 9. November fast in Vergessenheit geraten: 1848 wurde in Wien Robert Blum hingerichtet, der als einer von vier demokratischen Delegierten der Frankfurter Paulskirchenversammlung dort revolutionäre Impulse habe setzen wollen. Dieses Vorhaben, so Jansen, sei aller dings angesichts der militärischen Übermacht der gegenrevolutionären Kräfte aussichtslos gewesen. Eine Möglichkeit zur Flucht habe Blum abgelehnt, er ging davon aus, dass er als Abgeordneter der Nationalversammlung Immunität genieße. Seine Hinrichtung sei somit ein deutliches Symbol für das Scheitern der Revolution vom März 1848.

Dr. Christian Jansen.

Das zweite Datum, das im Zentrum von Jansens Vortrag stand, war der 9. November 1918. An diesem Tag rief Philipp Scheidemann die erste deutsche Republik aus. Nur zwei Stunden später war es Karl Liebknecht, der die erste sozialistische Republik auf deutschem Boden ausrief. Die Ernährungslage war prekär, die politischen Kräfte polarisierten sich zunehmend und die Gegensätze zwischen den Generationen und sozialen Gruppen gewannen neue Schärfe. Der Absturz nach den Siegesfantasien der vorhergehenden Jahre sei ein traumatischer Einschnitt für die gesamte Bevölkerung gewesen.

Mit dem Matrosenaufstand sei die Situation eskaliert und die Unruhen griffen schnell auf andere Städte über. Ab Januar 1919 hätten bürgerkriegsähnliche Zustände geherrscht.

Beide Revolutionen seien letztlich an ihren eigenen Widersprüchlichkeiten und an der Unterschiedlichkeit ihrer Akteure gescheitert. Der 9. November, so Jansen, sei ein einzigartiges Symbol für Siege und Niederlagen der Demokratisierung in Deutschland.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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