Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Ein Ausflug ins Paradies

Fünf moldawische Waisenkinder zu Besuch in Imshausen und Umgebung

Von Andrea Wismath

"Ein Weisenhaus in Moldawien muss man sich vorstellen wie ein Gefängnis: So dicke Mauern", sagt Dr. Jochen Höpfner und breitet die Arme ganz weit aus, "und immer sind sie feucht". Von Kindern, die unter Krätze leiden, weil es kein fließendes Wasser gibt, erzählt er. So ist der Aufenthalt in Imshausen für fünf moldawische Waisenkinder wie ein Ausflug ins Paradies.

Zehn Tage haben die Jugendlichen, die zwischen 13 und 15 Jahren alt sind, in Imshausen und Umgebung verbracht. Damit sie sich mit ihren Gastgebern verständigen können, ist eine moldawische Mitarbeiterin vor Ort. Vier von ihnen arbeiteten in der Holzwerkstatt der Kreishandwerkerschaft, einer bei Schuhmachermeister Willy Knierim in Bebra.

Valentin, Dima, Jura, George (v.l.n.r.) und kniend Ilee auf dem Hof von Wolfgang Dressel (re.) in Süß.

Sie waren unter anderem im Badepark Ronshausen, im Erlebnisbergwerk Merkers und haben in Imshausen ein moldawisches Buffet mit Spezialitäten wie Borschtsch-Suppe organisiert. Möglich gemacht hat das die Organisation Geschenke der Hoffnung, für die sich Höpfner und der Süßer Wolfgang Dressel einsetzen.

Die beiden betreiben seit vier Jahren in Zusammenarbeit mit Leuten vor Ort drei Werkstätten, die an drei Waisenhäuser in Moldawien angegliedert sind: Eine Schuhmacherwerkstatt, eine Matratzennäherei und eine Tischlerei.

Dort lernen die Waisen zum einen Grundfertigkeiten, die es ihnen später ermöglichen sollen, Arbeit zu finden. Zum anderen stellen die Kinder schlichtweg diejenigen Gegenstände selbst her, die sie am nötigsten brauchen, für die aber kaum Geld da ist: Matratzen eben, aber auch Betten, Schränke und Schuhe, die passen.

Letzteres ist keine Selbstverständlichkeit, erzählt Dressel. "Viele Kinder haben zu kleine Schuhe an, was sehr schädlich ist", sagt der gelernte Orthopädieschuhmacher und Sozialpädagoge, der mit einer Teilzeitstelle bei der Kreishandwerkerschaft angestellt ist.

Neben der Schule gehen die Kinder in ihrer Heimat nachmittags einige Stunden in eine der Werkstätten, um zu arbeiten und dabei für später zu lernen. Dennoch ist es äußerst schwer, in Moldawien einen Job zu finden. Höpfner berichtet davon, dass man zunächst einen Geldbetrag bezahlen muss, um überhaupt Probe arbeiten zu dürfen.

In der eh schon armen moldawischen Gesellschaft zählen Waisenkinder wenig. Noch immer sei es an der Tagesordnung, dass Eltern ihre Kinder verkaufen. "Wenn man das Wort Menschenhandel hört, denkt man immer, das ist weit weg. Aber Moldawien liegt näher als Mallorca", sagt Dressels Frau Nanette Petersen.

Dafür, dass den Jugendlichen das nicht passiert, haben sie bereits einiges getan - mit Hilfe ihrer deutschen Freunde. Voller Eifer sind sie dabei. Und wenn man die fünf jungen Leute fragt, was ihnen hier am besten gefallen hat, dann sagen sie: Die Arbeit.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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