Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Beherzigt ihr Beispiel

Gedenkfeier für den Widerstandskämpfer Adam von Trott - Europa im Mittelpunkt

Von Manfred Schaake

"Von Adam von Trott lässt sich lernen, dass Politik realistisch und zugleich fantasievoll sei muss. Sie sucht einen Weg, unterschiedliche Interessen zu verbinden, Brücken zu schlagen." Das sagte Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh, Direktor des Evangelischen Predigerseminars in Hofgeismar, während der Gedenkfeier zu Ehren von Adam von Trott zu Solz.

Der Widerstandskämpfer, der in Imshausen aufgewachsen war, wurde am 26. August 1944 im Alter von 35 Jahren von den Nazis in Berlin-Plötzensee hingerichtet. "Hingerichtet mit den Freunden im Kampfe gegen die Verderber unserer Heimat. Bittet für sie, beherzigt ihr Beispiel." So steht es auf dem Gedenkstein unter dem Trottenkreuz, das Adams Brüder 1949 bei Imshausen aufgestellt hatten.

Bläserensemble der Musikschule

Beherzigt ihr Beispiel. Das zitierte auch Cornelius-Bundschuh. Adam von Trott stehe für ein europäisches Projekt: "Den anderen mit Neugier begegnen, sich nicht fürchten, sondern etwas von ihnen erhoffen, gastfreundlich sein, sich nicht gleich machen müssen, sondern respektieren und in ihrer Andersartigkeit als Bereicherung erleben."

Die Politik, sagte der Redner, wecke keine Illusionen, "dass Europa das weltweite Problem der Flucht lösen kann. Aber es lassen sich klare Zeichen für die Wahrung der Menschenwürde setzen". Cornelius-Bundschuh: "Die Menschen, die hier legal oder illegal leben, die unter uns wohnen, bei uns arbeiten, im Garten, in der Pflege, als Küchenhilfe oder Au-Pair, deren Kinder mit uns in die Schule gehen, die versuchen, sich eine möglichst normale, stille Existenz aufzubauen, möglichst wenig aufzufallen, sind keine Verbrecher, die in Haft gehören. Sie haben ihre Würde."

Adam von Trott gehöre zu denjenigen, die mit einem offenen Herzen und einem weiten Horizont in den Widerstand gegangen seien. Cornelius-Bundschuh: "Wir wissen inzwischen, dass Adam von Trott für die außen- und insbesondere europapolitischen Vorstellungen des Kreisauer Kreises eine besondere Bedeutung hatte".

Drei Punkte seien in der Begegnung mit der Tradition Trotts - er war unter anderem Legationsrat - für heute und das gegenwärtige Europa besonders wichtig:

"Das heutige Europa gäbe es nicht ohne Hilfe von außen", sagte Cornelius-Bundschuh. Nicht nur Deutschland, Europa als Ganzes, seien zu schwach gewesen, der Unmenschlichkeit des Faschismus Einhalt zu gebieten: "Erst gemeinsam mit den USA und Russland war der Nationalsozialismus zu besiegen."

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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