Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Peter Thelen über die Roma und ihre Probleme

Wenn Ausgrenzung Alltag ist

Roma, Zigeuner, Gipsy, Sinti - dies sind nur vier der 150 Bezeichnungen, mit denen eine der größten Minderheiten in Europa benannt wird. Zwölf bis 15 Millionen Roma leben in Europa, zehn Millionen in den Ländern der Europäischen Union.

Mit Professor Dr. Peter Thelen, der im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung in Ungarn und Mazedonien Projekte mit Roma geleitet hat, hatte die Stiftung Adam von Trott einen Experten nach Imshausen eingeladen. Thelen schlug den Bogen von der Geschichte des Volkes der Roma, die vor sechs Jahrhunderten wahrscheinlich aus Indien nach Europa kamen.

Peter Thelen.

Anders als das Vorurteil transportiere, lebten sie keineswegs nomadisch, sondern waren von Beginn an sesshaft. Dennoch würden Roma bis heute ausgegrenzt, verfolgt oder sogar vernichtet. Sie hätten kein Mutterland und ihnen fehle eine Lobby.

Während des Nationalsozialismus seien Roma systematisch erfasst, zwangssterilisiert und in den Konzentrationslagern ermordet worden. Dieser Völkermord, den die Roma als "Roimos" bezeichnen, sei bis heute kaum aufgearbeitet worden. Im Gegenteil: Er werde marginalisiert, der Antiziganismus sei deutlich spürbar. Vor allem in den ehemals kommunistischen Ländern lebten Roma unter schlechten Bedingungen. Einer der Schlüssel zur Verbesserung der Lebensbedingungen für Roma sei, sagte Thelen, der Zugang zu den Bildungs- und Gesundheitssystemen. Nur so könnte die Chancen- und Perspektivlosigkeit bekämpft werden.

Dass die Probleme dieser Minderheit auch in unserer Region wahrgenommen werden, zeigte sich an Wortbeiträgen von aus Bad Hersfeld stammenden Sinti bei der anschließenden Diskussion. Deutlich wurde eine große Unsicherheit auf beiden Seiten: Einerseits erscheint es der Mehrheitsbevölkerung so, als isolierten sich die Sinti, andererseits gehört Ausgrenzung zum Alltag vieler Sinti. Auf den Punkt brachte dies Samson Lind aus Bad Hersfeld, der betonte, dass die Sinti es durch Jahrhunderte andauernde Ablehnung und Ausgrenzung gelernt hätten, "auf Distanz zu bleiben und gebückt zu gehen". Auch für Lind ist die Bildung der Schlüssel, die Barriere zu durchbrechen.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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