Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Die ehemalige Ausländerbeauftragte Brandenburgs beim Imshäuser Gespräch

Toleranz als Schulfach

Von Stefan Düsterhöft

„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“, hat der bayerische Kabarettist Karl Valentin einmal gesagt. Und genau dieser Ausdruck war das Motto der Startveranstaltung zu einer neuen Serie von Imshäuser Gesprächen: „Vom Umgang mit den Anderen“ heißt die aktuelle Veranstaltungsreihe der Stiftung Adam von Trott.

Moderiert wurde das Auftaktgespräch im Imshäuser Herrenhaus von Professor Dr. Urs Müller-Plantenberg.

Almuth Berger und Professor Dr. Urs Müller-Plantenberg.

Almuth Berger, die ehemalige Ausländerbeauftragte des Landes Brandenburg, erinnerte zu Beginn daran, wie mit Fremden in der Vergangenheit umgegangen wurde. Geschichtlich gesehen sei der Umgang mit Fremden nämlich immer unterschiedlich gewesen.

„Heute noch erzeugt das Fremde Unsicherheit“, sagte Almuth Berger, die in Berlin Theologie studiert und in Magdeburg als Pastorin gearbeitet hat. Das Fremde könne schließlich irritieren und beängstigen. Aber auch faszinieren und bereichern. Diese Unsicherheit laufe dann entweder auf Ablehnung oder auf Integration hinaus.

Bergers Vortrag war ein Plädoyer für die Integration. „Wir müssen endlich in der Realität ankommen“, sagte sie. „Zu viele Deutsche sehen Zugewanderte immer noch als Konkurrenten um Arbeitsplätze“, so Berger. Das Leben in einer multikulturellen Gesellschaft müsse für alle zur Selbstverständlichkeit werden.

Wie man etwas dafür tut, dass multikulturelles Zusammenleben für alle normal wird? Almuth Berger machte in Imshausen gleich drei Vorschläge: Zum einen empfahl sie die Bibellektüre. „Im neuen Testament ist von der Aufhebung aller Grenzen durch Jesus die Rede“, sagte sie. Auf diese Wurzeln müsse man sich zurückbesinnen.

Zum anderen müsse es viel mehr Fürsprecher für Fremde geben. Menschen, die kulturelle Unterschiede erklären, um Missverständnissen keinen Platz zu lassen. „Das fördert das Verständnis beider Seiten“, sagte sie.

Bergers dritter Vorschlag wurde auch diskutiert: Sie plädierte für ein Trainingsprogramm, das den Umgang mit fremden Kulturen lehrt. An einem solchen Training sollte laut Berger jeder teilnehmen müssen.

Schnell kam in der anschließenden Gesprächsrunde die Frage auf, ob Toleranz nicht als Fach in der Schule unterrichtet werden sollte. Während eine Zuhörerin „den Schrei nach einem neuen Schulfach“ als „furchtbar“ bezeichnete, waren andere von der Idee vom Toleranzunterricht begeistert.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.