Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Welf Botho Elster präsentiert Buch über Vater

Gefangenschaft statt Tod für die Soldaten

"Ich danke Ihnen, dass ich an einem so hehren Ort des Widerstandes den Inhalt dieses Buches präsentieren darf", begann Welf Botho Elster, Jurist aus Hohenhameln, seine Lesung bei der Stiftung Adam von Trott. Das Buch, das Elster 2004 geschrieben hatte und nun in Imshausen vorstellte, trägt den Titel "Die Grenzen des Gehorsams. Das Leben des Generalmajors Botho Henning Elster in Briefen und Zeitzeugnissen" und handelt von Welf Elsters Vater.

Weitgehend unbekannt und unerwähnt, war es Botho Elster, der sich und 18 850 deutsche Soldaten und 754 Offiziere am 16. September 1944 den Amerikanern in Beaugency in Frankreich ergab. Indem er sich mit dieser Massenkapitulation gegen die Befehle der Wehrmachtsführung stellte, führte er 20 000 Menschen in die Gefangenschaft statt in den Tod.

"Wenn auch durch den Weg der Gefangenschaft, hat er dafür gesorgt, dass 20 000 Männer zu ihren Lieben zurückgekehrt sind", erklärte der Sohn. Die Hintergründe und Motive für diese Tat, die dem Generalmajor, der sich stets geweigert hat, in die Partei einzutreten und ein General wider Willen war, weder Ehre noch Ruhm einbrachten, zeigte der Sohn in Imshausen durch Zeitzeugnisse auf. "Um sinnlos Menschenleben zu opfern, war er nicht angetreten", erklärte Welf Elster.

Wer dieser Mann war, der 1944 den mutigen Entschluss gefasst hatte, zu kapitulieren, was ihm in Abwesenheit ein Todesurteil vom Reichskriegsgericht einbrachte, das kam in den Briefen heraus, die Welf Elster in Auszügen aus dem Buch vortrug. Was seine Persönlichkeit ausmachte: die Anständigkeit, Souveränität und Unabhängigkeit, die Feinfühligkeit und "die geistige Blicktiefe", wie der Sohn es nennt.

Das Publikum in Imshausen war tief bewegt von der Geschichte und Person Botho Elsters. Heinrich von Trott etwa, der die Schrecken des Krieges und den Wahnsinn der Befehle selbst erlebt hatte, ging der Bericht sehr nahe; er dankte Elster herzlich für den Vortrag. (yiv)

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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