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Christoph R. Hörstel in Imshausen

Frieden ist möglich

Der Frieden könnte im kriegsgebeutelten Afghanistan wiederhergestellt werden. Das war die Quintessenz eines Vortrages des Münchner Journalisten und Buchautors Christoph R. Hörstel am Samstagabend in Imshausen.

Hörstel reist seit 22 Jahren immer wieder nach Afghanistan. Er hat einen Plan entwickelt, mit dessen Hilfe innerhalb von fünf Jahren tiefgreifende Veränderungen in dem zentralasiatischen Staat bewirkt würden. Wenn die Europäische Union diesen Plan in die Tat umsetzte. "Nachhaltigen Frieden in einem solchen auch von uns kaputt gemachten Land zu schaffen, ist eine verdammt langwierige Angelegenheit", erläuterte der Journalist.

Um darzustellen, warum eine andere Form der Hilfe als die bisherige militärgestützte notwendig und Erfolg versprechend ist, klärte Hörstel über die aktuelle Sachlage auf. Führte aus, dass Terror durch den Einsatz von Soldaten nicht bekämpft, sondern erzeugt wird. Dass die bisherige Entwicklungshilfe unzureichend, die afghanische Armee nicht ausbaufähig und die Niederlage im Kriegsablauf unabwendbar ist.

Die Situation in Afghanistan sei unhaltbar. Rauschgiftbarone bestimmten über das Land, das 93 Prozent der weltweiten Heroinproduktion liefert. So könne zum Beispiel ohne Zustimmung des örtlichen Drogen-Warlords niemand Polizeioffizier werden. Der Zustand der Zerrüttung werde von den USA für deren selbstsüchtige Zwecke genutzt: Um den südasiatischen Wirtschaftsraum zu erschließen, Iran und China einzukreisen und ihre Beherrschungspläne durchzusetzen.

Dabei verletze die Weltmacht nicht nur die Menschenrechte, sie töte außerdem eine unfassbare Anzahl an Zivilisten. Im Krieg in Afghanistan seien seit 2001 etwa 20 000 Unbeteiligte gestorben. Hörstel: "Wenn es heißt, 170 Terroristen seien getötet worden, dann waren 160 Kinder, Frauen und Alte darunter."

Da die Unterstützung europäischer Militärs wenig bewirke, müsse Kontakt mit dem gesamten Widerstand aufgenommen und gepflegt sowie ein Pilotprojekt für den Frieden umgesetzt werden. Die Ziele: Ende des Krieges, Ende der Menschenjagd und Exportstopp für terroristische Aktivitäten.

Drei-Stufen-Plan

Dieses Projekt könne nach einem Drei-Stufen-Plan verlaufen. Im ersten Jahr soll die Menschenverachtung aufhören, im zweiten Jahr eine Demokratisierung beginnen und in Jahr drei das Land durch schrittweisen Truppenabzug und weiteren Aufbau Souveränität erlangen. Das eingesparte Geld für das Militär könne in die Entwicklungshilfe fließen. Diese Anstrengungen dauerten allerdings bis etwa 20 Jahre, meint Hörstel. Die letztendlichen Erfolge würden sich erst mit einer neuen Generation in ihrer Ganzheit zeigen. Ohne diese Hilfe sei es wahrscheinlich schon 2008 für Afghanistan zu spät. (zbg)

Buchtipp: Christoph R. Hörstel, "Sprengsatz Afghanistan", Knaur-Verlag, als Taschenbuch 8,95 Euro.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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