Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Die Frau Adam von Trotts

Clarita von Trott zu Solz zum Neunzigsten

Ihre Ehe mit dem Diplomaten Adam von Trott zu Solz dauerte nur vier Jahre; dennoch hat diese Zeit ihr Leben nachhaltig geprägt. Am heutigen 19. September feiert Dr. Clarita von Trott zu Solz in Berlin ihren 90. Geburtstag.

Clarita Tiefenbacher wurde 1917 als Tochter eines Hamburger Rechtsanwaltes geboren. Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst ein Landjahr und eine Büroausbildung, hinzu kamen einige Aufenthalte im Ausland. Adam von Trott zu Solz lernte sie kennen, als dieser 1935 während seiner juristischen Ausbildung einige Monate bei der Hamburger Levantelinie arbeitete.

Mit "täglichen bleistiftgeschriebenen Briefen" hat er nach der Rückkehr von seiner Chinareise 1939 den Kontakt zu ihr intensiviert. Im Juni 1940 heirateten Clarita und Adam von Trott zu Solz, der fast gleichzeitig seine Tätigkeit in der Informationsabteilung des Auswärtigen Amtes begann.

1942 und 1943 wurden die Töchter Verena und Clarita geboren. Weil Berlin zunehmend durch alliierte Bombenangriffe gefährdet war, lebte Clarita von Trott mit ihren Töchtern ab 1943 im Elternhaus ihres Mannes in Imshausen. Nach dem 20. Juli 1944 wurde auch Clarita von Trott – wie viele andere Familienmitglieder der Verschwörer – in Sippenhaft genommen. Während sie in Berlin-Moabit inhaftiert war, wurden ihre beiden Töchter von der Gestapo aus Imshausen abgeholt und zusammen mit anderen Kindern von Widerstandskämpfern in ein Kinderheim im Harz gebracht, wo sie bis Oktober 1944 blieben.

Ein wichtiger Rückhalt sind in der schwierigen Zeit nach dem Krieg vor allem die Freundschaften gewesen, für die ihr Mann offensichtlich eine besondere Begabung hatte. Insbesondere Menschen wie der Moabiter Gefängnisseelsorger Harald Poelchau sind für sie und ihre Töchter wichtige Bezugspersonen gewesen.

Die Erinnerung an ihren Mann, der nach dem Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 hingerichtet wurde, ist für Clarita von Trott zu Solz bis heute sehr gegenwärtig und lebendig, auch wenn sie nach dem Krieg mit ihren beiden Töchtern ein sehr eigenständiges und intensives Leben geführt hat.

1950 begann sie ein Medizinstudium, das sie 1955 mit dem Staatsexamen und der Promotion abschloss. In Hamburg und Berlin praktizierte sie bis in die 90-er Jahre als Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin. Darüber hinaus betreute sie den Nachlass ihres Mannes. 1956 bis 1958 verfasste sie, zunächst gedacht nur für Familie und Freunde, auf Basis von Briefen und Schriftstücken eine Lebensbeschreibung über Adam von Trott zu Solz, die 1994 durch die Edition Hentrich veröffentlicht wurde.

Heute ist Clarita von Trott Ehrenvorsitzende der Stiftung Adam von Trott. (red)

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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