Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Ehepaar Kulesza in Imshausen

Chance zum Brückenbauen

Interessiert, engagiert und bisweilen auch emotional war die Stimmung bei der Diskussion um das sensible Thema "Deutsche und Polen – Aufarbeitung der Geschichte als Chance zum Brückenbauen?" im Herrenhaus der Stiftung Adam von Trott. Die Diskussion war Teil des Imshäuser Jahrestreffens 2007.

Vorangegangen war ein Vortrag von Professor Dr. Witold Kulesza aus Lodz über die Aufarbeitung von NS-Verbrechen, mit denen sich Kulesza jahrelang in seinen Funktionen als Direktor der Hauptkommission zur Untersuchung von Verbrechen gegen die Polnische Nation und stellvertretender Generalstaatsanwalt Polens befasst hat.

Das Fazit des sympathischen Experten: Die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen ist notwendig, gerade auch für die jüngere Generation. Denn: "Wenn wir diese Geschichte nicht lernen, verlieren wir die Möglichkeit, etwas Sinnvolles über die Zukunft zu sagen", sagte der Professor. Die Geschichte sei wichtig für die Ausbildung junger Juristen angesichts aktueller Kriegsverbrechen.

Auf den Einwurf aus dem Plenum, dass es den Eindruck habe, dass der Versuch der Versöhnung zwischen den beiden Ländern augenblicklich etwas zu leiden scheine, antwortete Kulesza: "Ich erlebe einen Deja-vu-Effekt. Heute höre er das gleiche wie zur Adenauer-Zeit, nämlich dass nur die herrschende Regierung vor der deutschen Bedrohung schützen könne." Die diesbezügliche Propaganda würden gebildete Polen indes nicht glauben, war sich Kulesza sicher. Es sei unvorstellbar, sie als seriös zu betrachten.

Positiv waren die Erfahrungen der Ehefrau des Referenten, der Datenschutzbeauftragten Dr. Ewa Kulesza: Als sie die Stelle 1999 besetzt habe, habe sie Unterstützung durch ihre deutschen Kollegen erfahren, die auch Mitarbeiterschulungen beinhaltet hat. "Ohne diese Hilfe von Kollegen aus Deutschland wäre meine Tätigkeit viel problematischer", war sich Frau Kulesza sicher. Überhaupt: "Ohne gute Kontakte kann man nicht an die Zukunft für Europa denken", sagte sie unter dem Applaus der Anwesenden.

Was die Zukunft für das polnisch-deutsche Verhältnis bringt, wird sich zeigen. Die Neuwahlen im Oktober seien eine Chance, aber keine Garantie, dass sich etwas ändere, konstatierte der Professor. "Gott sei Dank habe ich viele tolle Kollegen und Mitarbeiter in Deutschland, so dass ich optimistisch sein kann." (yiv / Foto: Balduf)

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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