Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Historische Figur benutzt

Dr. Frank Helzel in Imshausen

Von Susanne Kanngieser

Gebückt steht er da, der kleine Bär, und hat sich die Tigernase aufgesetzt. Nur damit glaubt er, ganz stark zu sein. "Die Kraft kommt von der Tigernase", steht unter dem bekannten Bild von Janosch. Dr. Frank Helzel aus Bad Wildungen machte mit dieser Illustration deutlich, dass Idole und Vorbilder für den Menschen wichtig und gleichzeitig auch gefährlich sein können. "Wir können nicht ohne. Aber was wird uns mit ihnen geboten?", fragte der Referent, der am Freitagabend zu Gast bei den Imshäuser Gesprächen im Trottenpark war.

Mit im Gepäck hatte er freilich nicht nur die kindliche Janosch-Illustration. Der ehemalige Lehrer der König-Heinrich-Schule in Fritzlar brachte auch seine Dissertation mit, in der er über die Gegenwart des Mittelalters im Nationalsozialismus schrieb. Er machte den aufmerksamen Zuhörern mit vielen historischen Quellen und Zitaten deutlich, wie Adolf Hitler und Heinrich Himmler historische Figuren und mittelalterliche Reichspolitik für ihre Zwecke benutzten. Mit Programmen, die an die Regenten Heinrich I. von Sachsen und Otto den Großen erinnerten, hätten Hitler und Himmler all das bezeichnet, was unter SS-Regie in Osteuropa von der "germanischen Besiedlung" bis zum Völkermord durchgesetzt worden sei. So lasse sich beispielsweise erklären, warum Hitlers Weisung zum "Anschluss Österreichs" als "Unternehmen Otto" bezeichnet wurde. Auch Himmler habe sich später auf diese mittelalterliche Historie berufen und sie sentimental beschworen, da sie als einzige "richtige, deutsche Geschichte" gemacht und Deutschland zur "unlöslichen inneren Einheit zusammengeschmolzen" hätte. Hitler und Himmler hätten die Herrscher des Mittelalters instrumentalisiert und damit ihren "hemmungslosen Imperialismus" gerechtfertigt.

Dr. Frank Helzels Recherchen seien an der Fritzlarer König-Heinrich-Schule mit Argwohn betrachtet worden, wusste Moderator Professor Urs Müller-Plantenberg. Der Referent selbst gab zu bedenken, dass es äußerst leichtsinnig sei, Schulen nach historischen Gestalten zu benennen. "Sinnbedürftige Menschen in kalten Gesellschaften glauben leicht an Vergleiche dieser Art", sagte Dr. Frank Helzel, der nach eigenem Bekunden "lieber mit den Menschen in Fritzlar über sein Thema diskutiert statt in Frankfurt promoviert" hätte.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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