Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Studienleiter geht in den Ruhestand

Garstecki: Es war eine tolle Zeit für mich

Von Vera Walger

Sechs Jahre lang hat Joachim Garstecki der Stiftung Adam von Trott in Imshausen ein Gesicht gegeben. Am 28. Februar 2007 wird der Magdeburger Theologe 65 Jahre alt - und geht in den Ruhestand. Wir sprachen mit ihm über schöne Jahre in Imshausen, Abschiedsgefühle und Pläne.

Herr Garstecki, wie würden Sie heute, wenige Wochen vor Ihrem Abschied aus Imshausen, Ihre Gemütslage beschreiben?

Joachim Garstecki: Es ist ein merkwürdiger Zustand. Einerseits habe ich hier noch viel zu tun. Nicht zuletzt werde ich meine Nachfolgerin in der Geschäftsführung, Ute Janßen, einarbeiten. Für Abschiedsschmerz habe ich gar keine Zeit. Andererseits bin ich manchmal schon wie auf einem anderen Stern. Alles geht auf diesen einen Tag hin.

Werden Sie auch nach diesem Tag in Waldhessen bleiben?

Garstecki: Nein. Meine Frau und ich werden weggehen, wahrscheinlich ziehen wir zurück in unsere Heimatstadt Magdeburg. Ich möchte einen wirklichen Schnitt machen. Dann sind die Chancen besser, dass man den Neuanfang nicht verbummelt.

Aber Sie werden mit dem Verein in Imshausen in Kontakt bleiben?

Garstecki: Sicherlich, ich bin ja nach wie vor Mitglied. Es wird nicht einfach sein, die Verbundenheit zu behalten und trotzdem die nötige Distanz zu gewinnen. Jedenfalls werde ich nicht beim übernächsten Imshäuser Gespräch im Publikum sitzen (lacht).

Haben Sie für Ihren Ruhestand schon Pläne?

Garstecki: Nein, ich weiß noch nicht so genau, wie ich meine Tage füllen werde. Eigentlich möchte ich mal richtig Pause machen und gar nichts müssen. Und langsam in mich hineinhorchen, was da noch so in mir ist. Ich bin selber gespannt.

Sie haben die Bildungsarbeit in Imshausen maßgeblich geprägt, sind zum Beispiel der Erfinder der Imshäuser Gespräche. Sind Sie stolz auf das, was Sie geleistet haben?

Garstecki: Stolz, ich weiß nicht. Ich war immer froh, wenn eine Sache gut gelungen war. Wenn die Leute etwas bekommen haben und auch etwas gegeben. Es war eine tolle Zeit für mich, ich hatte hier die Möglichkeit, etwas in Gang zu setzen und weitgehend eigenverantwortlich zu betreuen. Ich denke, die Imshäuser Gespräche haben sich etabliert. Das ist eine wunderbare Form, um etwas zu gestalten, was hier hingehört und von den Menschen gut angenommen wird. Also, stolz bin ich nicht, aber dankbar, dass so etwas möglich war.

Ihre Arbeit bestand aber nicht nur aus den Imshäuser Gesprächen.

Garstecki: Oh nein. Da gab es die Studientage, die Tagungen. Und mindestens genauso zentral wie unsere Eigenveranstaltungen war und ist die Begleitung von Gruppen, die sich in unseren beiden Häusern einmieten. Gute Bedingungen schaffen, Begegnungen möglich machen ist sehr wichtig. Und einführen in den Geist von Imshausen, in das Erbe von Adam von Trott.

Gab es auch schwierige Zeiten?

Garstecki: Schwierig fand ich manchmal, dass ich hier für fast alles allein zuständig und verantwortlich war. Ich habe mich manchmal gefühlt wie der einzige Bewohner einer Insel. Schwierig war auch die Umbruchphase 2004/2005.

Das Ergebnis dieses Umbruchs war, dass Stiftung und Förderverein zum Verein Stiftung Adam von Trott verschmolzen. Ist jetzt alles auf einem guten Weg?

Garstecki: Ja, aber noch sind die neuen Verhältnisse natürlich nicht so stabil. Zum Beispiel der Beirat, der künftig die Aufgaben des Studienleiters übernehmen wird. Was sich bisher weitgehend in meinem Kopf abspielte, müssen jetzt zwölf Menschen gemeinsam konzipieren. Außerdem bleibt die zentrale Frage: Wo kommt das Geld her? Ich hoffe, dass alles gut funktioniert. Für unser Publikum in der Region ist es besonders wichtig, dass die Eigenveranstaltungen gut weitergehen.

Fällt es Ihnen schwer, die Verantwortung jetzt abzugeben?


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'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.



Garstecki: Nein, ich kann mich gut lösen, glaube ich. Das war´s, es war gut, aber jetzt gebe ich es ganz bewusst an andere ab, und die haben ihre eigenen Vorstellungen. Da muss man konsequent sein. Aber ich weiß natürlich nicht, wie ich das sehe, wenn ich wirklich nicht mehr hier bin. Man wird ja kein neuer Mensch (lacht).

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de