Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Ein Gespräch mit Dr. Reinhard Höppner über den Verein Stiftung Adam von Trott in Imshausen

Ein guter, anregender, kreativer Ort

Von Vera Walger

Dr. Reinhard Höppner ist der Vorsitzende des neu gebildeten Vereins Stiftung Adam von Trott in Imshausen. Der ehemalige Ministerpräsident Sachsen-Anhalts ist also hauptverantwortlich für das, was dort zukünftig passieren soll. Wir sprachen mit ihm im Herrenhaus über Imshausen, neue Strukturen, Pläne und Wünsche.

Herr Dr. Höppner, was führt eigentlich einen ehemaligen Ministerpräsidenten aus Magdeburg nach Imshausen?

Dr. Reinhard Höppner: In Imshausen war ich zum ersten Mal nach der Wende. Es gibt eine große Gruppe von Familien aus Ost und West, die sich hier seitdem regelmäßig treffen. Zu dieser Gruppe gehöre ich.

Sie haben sich dann entschieden, sich im Herrenhaus auch zu engagieren. Zunächst als Vorsitzender des Fördervereins, der neben der Stiftung Adam von Trott bestand. Warum wollten Sie ausgerechnet hier aktiv werden?

Höppner: Ich finde, das hier ist ein wunderbares Projekt. Ein Ort der Erinnerung, ein Ort des Nachdenkens und der Bildung. Das hat mich gerade hier interessiert, in einer Gegend, die nicht so überreich an Angeboten ist.

Was bedeutet der Ort für Sie persönlich?

Höppner: Zunächst einmal ist das hier eine wunderschöne Gegend, die nimmt einen gefangen in ihrer Schönheit. Für mich ist er auch etwas Besonderes, weil ich ihn nach der Wende entdeckt habe. Es ist ein Ort an der Grenze, der zum Grenzüberschreiten einlädt. Dann ist es natürlich ein Ort der Erinnerung an den Widerstand. Das hat wiederum mit meiner eigenen Geschichte im Osten Deutschlands zu tun. Der 20. Juli war in der DDR immer präsent, die beteiligten Personen wie Adam von Trott waren hoch angesehen. Für mich ist das eine lange Beziehung. Und schließlich stellt sich für jemanden, der in einem totalitären System gelebt hat, die Frage des Widerstands noch einmal anders. Ich denke, Imshausen ist ein Ort, in dem sich deutsche Geschichte zusammendenken lässt. Ein guter, anregender, kreativer Ort für die Bewältigung unserer Geschichte.

Sie waren beteiligt an den jüngsten Veränderungen in diesem Ort. Aus Stiftung und Förderverein wurde der Verein Stiftung Adam von Trott. Wieso waren Sie mit den alten Strukturen nicht mehr zufrieden?

Höppner: Der Hauptgrund ist: Ein solcher Ort kann dauerhaft nur lebendig bleiben, wenn viele Menschen mitwirken, ihre Kraft einbringen. Eine Stiftung ist in ihrer Struktur eher von oben nach unten organisiert. Ein Verein, wie wir ihn jetzt haben, ist anders angelegt. Viele machen mit, viele bestimmen. Das ist demokratischer. Und kreativer.

Hatten Sie von Anfang an vor, in diesem neuen Verein eine maßgebliche Rolle zu spielen?

Höppner: Nein. Aber mir war klar: Stiftung und Förderverein müssen zusammengeführt werden. Und mir war klar: Ich will diese Veränderung nicht für einen Ausstieg nutzen. Wir haben ja noch eine Menge Veränderungen vor uns. Ich gehe nicht bei einem halbfertigen Hausbau.

Wie sehr prägt der Vorsitzende das, was hier künftig passieren wird?

Höppner: Er ist prägend, vor allem was die Strukturierung von Zusammenarbeit angeht. Nicht so sehr, was die inhaltliche Arbeit angeht. Dafür gibt es inzwischen einen gut funktionierenden Beirat. Der macht die Konzepte. Daneben soll ja Imshausen auch ein Ort sein, der das deutsch-deutsche Zusammenwachsen fördert. Da bringe ich gewisse Vorteile durch meine Herkunft mit. Es ist nicht schlecht, wenn der Vorsitzende aus dem Osten kommt und einen gewissen Abstand hat. Und wenn er zudem Erfahrung in der Organisation mitbringt.

Wird sich mit der neuen Struktur für das Publikum in Imshausen etwas ändern? Bleiben die Veranstaltungen bestehen, allen voran die Imshäuser Gespräche?

Höppner: Die Imshäuser Gespräche werden wir sicherlich fortführen. Sie sind wichtig für die Region und gut besucht. Inwieweit zusätzliche Veranstaltungen, etwa am Wochenende, weiterhin möglich sind, darüber müssen wir reden. Mein Wunsch ist es, dass Jugendliche, Schulen, Gruppen vor Ort Imshausen stärker nutzen, zum Beispiel für Projekttage. Ich könnte mir vorstellen, dass wir mit Schulen Partnerschaften eingehen. So ein Erinnerungsort hat ja die Tendenz, eher Ältere anzuziehen. Aber wir wollen ja für heute lernen. Da braucht es junge Leute. Die sollen ruhig mal auf dem Rasen des Herrenhauses toben.

Joachim Garstecki, der geschäftsführende Studienleiter, geht Anfang nächsten Jahres in den Ruhestand. Aus finanziellen Gründen soll der Beirat des Vereins künftig auch Aufgaben des Studienleiters übernehmen, also die Veranstaltungen inhaltlich betreuen. Eingestellt wird ein Geschäftsführer, der in Imshausen präsent ist – zur Betreuung der Tagungsgäste und zur Organisation der Veranstaltungen. Ist es nicht problematisch, wenn ein Beirat mit zwölf Mitgliedern von außen das Konzept erstellt?

Höppner: Das sehe ich nicht so. Der Beirat besteht aus Leuten mit Erfahrung, die können das. Außerdem bin ich im Moment optimistisch, dass wir einen Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin finden werden, der oder die durchaus auch inhaltlich mitarbeiten kann.

Werden die Imshäuser Gespräche inhaltlich andere Schwerpunkte bekommen?

Höppner: Darüber wird der Beirat nachdenken. Vielleicht wird das Gespräch untereinander künftig noch stärker im Vordergrund stehen. Im Prinzip wird sich aber für unser Veranstaltungspublikum nicht grundlegend etwas ändern.

Wie sieht es finanziell aus? Ist die Zukunft des Vereins Stiftung Adam von Trott gesichert?

Höppner: Wir haben nach wie vor ein niedriges Salär. Wir können zurzeit für vier Jahre planen. Spenden und Zustiftungen zu bekommen, wird intensiver Bestandteil unserer Arbeit sein. Denn dieser Verein bekommt kein öffentliches Geld. Wir leben von unseren Mitgliedern.

Sind die Menschen in der Region da aufgefordert, sich stärker zu beteiligen? Zum Beispiel, indem sie Mitglieder des Vereins werden?

Höppner: Ja. Die Menschen in der Region sollten schon überlegen, wie viel ihnen dieser Ort wert ist. Schließlich ist er durch die Stiftung auch ein kulturelles Zentrum. Daneben denken wir über Kooperationen nach. Etwa mit den Kirchen und anderen Trägern der Erwachsenen- und Jugendbildung.

Wie sähe Imshausen idealerweise in fünf, zehn Jahren aus?

Höppner: Ideal wäre, wenn es ein Ort wäre, der noch stärker in der Region genutzt würde, auch von Jugendlichen. Und natürlich auch von Partnern, die von weiter her kommen. Ein Ort, der in der Region wächst.

Man kann nicht behaupten, dass Reinhard Höppner untätig ist. Sie sind unter anderem Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2007. Aus der Parteipolitik haben Sie sich allerdings vollständig verabschiedet. Vermissen Sie die manchmal?

Höppner: Nein, gar nicht. 16 Jahre Politik sind genug. Wer das sein Leben lang macht, nimmt Schaden an der Seele. Und es fehlt mir ja nicht an Arbeit.


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Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.