Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Julia Duchrow von amnesty international

Früchte der Folter nutzen?

Das Folterverbot muss absolut gelten – darin waren sich alle Besucher der Veranstaltung im Herrenhaus der Trott-Stiftung einig. Zu den Imshäuser Gesprächen mit dem Titel "Terrorismusbekämpfung in Deutschland und Europa – mit den Menschenrechten noch vereinbar?" hatte die Stiftung Dr. Julia Duchrow von der Berliner Sektion von amnesty international eingeladen.

Schnell wurde auch in der sich dem Vortrag anschließenden Diskussion mit dem Plenum die juristische Komplexität und Brisanz der Thematik deutlich. Ist es zum Beispiel für einen Staat angemessen, Informationen, die durch Folter in einem anderen Staat herausbekommen wurden, selbst zu nutzen? Darf also ein Staat, der die Folter ablehnt, deren Früchte nutzen? Zwei führende Politiker der Bundesregierung hatten sich kürzlich öffentlich dafür ausgesprochen. Aber fördert dies nicht geradezu die Folterpraxis?

Diese und andere Fragen stellten sich die interessierten und informierten Gäste. Zwei von ihnen verglichen diese Praxis mit der Situation eines Lehrers, der Informationen eines Petzers übernimmt, und stimmten der Referentin zu, dass ein solches Verhalten nicht zu tolerieren sei. Allerdings, so räumte auch Duchrow ein, sei die Umsetzung dieser Einstellung in der Praxis manchmal nicht so leicht: Wie soll ein einzelner zuständiger Beamter in der Masse der Informationen, die er auf den Tisch bekommt, diejenigen aussortieren, die unter Umständen aus Folterungen resultieren?

In jedem Fall hätten die Imshäuser Gespräche zu diesem aktuellen und weitreichenden Thema noch Stunden andauern können, so aktiv waren die Gäste mit ihren Beiträgen. (yiv)

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.