Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Überall und nirgends zuhause

Persönliche Erfahrungen über Ausgrenzung und Nationalismus

Von Susanne Kanngiesser

Über die Bedeutung von Heimat sprachen in Imshausen die Germanistik-Professorin Dr. Barbara Einhorn und der Pfarrer und Politologe Dr. Paul Oestreicher. Vor etwa 50 Zuhörern berichtete das Ehepaar beim Jahrestreffen der Stiftung Adam von Trott zu Solz von den persönlichen Erfahrungen mit Ausgrenzung und machte die negativen Aspekte des Nationalismus deutlich.

Familie Oestreicher floh 1938 aus Deutschland nach Neuseeland. Und auch die Eltern von Professor Dr. Einhorn fanden in Neuseeland ein neues Zuhause. Entwurzelt von der Heimat habe man "überall und nirgends dazugehört", sagte Dr. Oestreicher. Er arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg als Journalist für den britischen Sender BBC, wurde Pastor und leitete von 1947 bis 1979 die englische Sektion von Amnesty International. Als "Außenminister" der Church of England war Paul Oestreicher jahrelang um Versöhnung mit den Regimen des russischen Einflussbereichs bemüht.

Das Forschungsgebiet der Professorin für Gender Studies an der Universität Sussex (Großbritannien) betrifft die Auswirkungen des Transformationsprozesses auf Frauen in Ost- und Zentraleuropa. Es war eine eher schicksalhafte Fügung, die die beiden zusammenbrachte. Die Germanistin und Feministin besuchte 1983 die DDR. Bei der Ausreise wurde sie verhaftet. Zuhause in England wusste niemand, wo sie geblieben war. Freunde wandten sich an Paul Oestreicher, den Mann mit den guten Beziehungen jenseits des Eisernen Vorhangs. Er sorgte dafür, dass dieser politische Skandal öffentlich wurde. Die Germanistin kam daraufhin wieder frei. Kurz darauf trafen sich Barbara Einhorn und Paul Oestreicher zum ersten Mal und wurden Freunde. Vor vier Jahren heirateten sie in Berlin.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


Artikelarchiv seit 2005

In unserem Artikelarchiv finden Sie alle Berichte aus und über Imshausen geordnet nach Jahren:

2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005


Imshäuser Gespräche

'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.