Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Stiftung Adam von Trott als Gastegeberin:

Internationale Sommerschule zur Solidarischen Ökonomie in Imshausen

Von Renata von Trott

“Jeder erfüllt seine Aufgabe eigenständig und mit sehr viel Engagement.“ betonte Axel Holzhauer, Vorstandsmitglied der Wassergenossenschaft Großroppershausen e.G. (Knüll) in der Imshäuser Stiftung Adam von Trott e.V., während der zweiten „Internationalen Sommerschule“. Die fünftägige Tagung fand statt zu dem Thema „Solidarische Ökonomie und regionale Entwicklung“. Gemeinsame Veranstalter waren die Arbeitsgemeinschaft „Solidarische Ökonomie“ der Universität Kassel (UNIK), das Referat Wirtschaft-Arbeit-Soziales der Evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck und der Deutsche Gewerkschaftsbund Nordhessen.

Die rund achtzig TeilnehmerInnen konnten dank zahlreicher Vorträge über Selbstverwaltungsbetriebe, -vernetzungen und Workshops zu „Ausbildung, Energie, Ernährung und Finanzierung“ sich grundlegend informieren und Erfahrungen international auszutauschen. Die Referenten aus Argentinien, Brasilien, Frankreich, Belgien, Italien und Deutschland sprachen deutsch, englisch oder italienisch mit der Hilfe von Dolmetscherinnen. Sie berichteten über praktizierte Solidarische Ökonomie in europäischen Nachbarländern.

Welche Vision trägt die Solidarische Ökonomie? Die Organisatorin der Sommerschule, die Soziologin Prof. Dr. Clarita Müller-Plantenberg (UNIK) fand für sie zündende Worte: „Als Kind der Not“ entstehe die Solidarische Ökonomie, als Versuch das Ausbluten der Regionen aufzuhalten, unter Ausnutzung neuer Technologien, als Versuch regionale Kreisläufe wieder in Gang zu setzen, vorhandene Ressourcen ökologisch und nachhaltig zu nutzen. Wie könnte dies gelingen? Durch Neugründung von Genossenschaften, die ja ab dem 18.August 2006 dank des vom Bundestag neu gefassten Genossenschaftsrechts erleichtert wird. Demokratisch vereint durch die gegenseitige Hilfe und durch den kollektiven Besitz grundlegender Produktions- und Distributionsmittel, wie es der brasilanische Soziologe Paul Singer empfehle. Ebenso wie in Brasilien werde die Solidarische Ökonomie seit Jahrzehnten in Frankreich und Italien erfolgreich ausgeübt.

Der Generalsekretär der Europäischen Genossenschaftsvereinigung (CECOP), der Belgier Bruno Roelants, erzählte von der französischen Arbeitskooperative Ardelaine (Ardèche). Dort lebten im Jahre 1982 circa 500 Einwohner, und einige von ihnen bauten eine alte zerfallene Textilmühle mit 500.00 Euro Startkapital wieder auf. 2002 gab es dort bereits über 50.000 Schafe, 30 Jobs in einer Wollfabrik und inzwischen zwei Museen mit circa 20.000 Besuchern pro Jahr. Über ganz Frankreich breitete sich von dort ein Netzwerk aus. Roelants zog daraus vier Schlussfolgerungen: Kapital sei nicht das Entscheidende. Eine regional begrenzte Größe der Kooperative sei für die Entwicklung günstig. Zudem benötige die lokale Entwicklung Zeit. Nicht schneller Gewinn, sondern langfristige Visionen brauche es. Und „Kohärenz“, also örtlichen Zusammenhang zu den gesteckten Zielen. Die französische Kooperative habe dementsprechend das japanische Angebot konsequent abgelehnt, eine Fabrik in Japan zu eröffnen. Aus Italien wurde das Modell der mit 29 Sozialgenossenschaften vernetzten Sol.Co. Mantova (SOLidarity & COoperation Mantua) erläutert von ihrem Presidente Dr.Paolo Galeotti und der jungen Pressesprecherin Stefania Checchelani. Das Symbol für die Arbeitsweise und die Organisationsform der Sol.Co. sei das Bild mehrerer Erdbeeren, die, an Stängeln miteinander verknüpft, gemeinsam wachsen und reifen. Die Vorschläge und Perspektiven der Workshops wurden abschließend im Plenum als„Imshäuser Erklärung“ abgestimmt.

Aufmerksame Zuhörer und Redner waren Siegfried Franke (Amt für Wirtschaftsförderung ,Waldeck-Frankenberg), Bürgermeister Georg Lüdtke (Alheim) und Horst Pipper (Amt für Wirtschaftsförderung Landkreis Werra Meißner ). Und vertiefende Anleitungen zum Thema bot der Freiburger Soziologe Dr. Burghard Flieger an. Er ist Autor des Buches „Sozialgenossenschaften“ und Mitautor des Buches „Gemeinsam mehr erreichen -Kooperation und Vernetzung alternativökonomischer Betriebe und Projekte“.


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