Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Widerstand beginnt beim Papier

Über Schöpfungsethik sprach Dr. Gerhard Liedke in Imshausen

Von Vera Walger

Hilfe, wie soll ich das bloß verstehen? Und was hat das mit meinem Leben zu tun? Wie ein Theologie-Student im ersten Semester konnte man sich am Mittwochabend in Imshausen fühlen. Denn Dr. Gerhard Liedke, Theologe aus Heidelberg, warf in seinem Referat zur Schöpfungsethik in atemberaubendem Tempo mit Bibelstellen und Theorie zunächst geradezu um sich. Umso überraschender und erfreulicher war es, dass der Vortrag im Herrenhaus ganz und gar handfest endete – mit konkreten Tipps für das tägliche Leben.

Dr. Gerhard Liedke eröffnete eine neue Themenreihe der Stiftung Adam von Trott, die sich aus vier verschiedenen Perspektiven dem verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Lebensgrundladen widmet. „Widerstand gegen die Zerstörung der Erde – Schöpfungsethische Argumente“ hieß sein Beitrag.

Die Bibelstellen zur Schöpfung nahm Dr. Liedke genau unter die Lupe. Mit dem bekannten „Macht euch die Erde untertan“ sei nicht die Unterdrückung der Natur, sondern eine sorgsame, behütende Herrschaft gemeint, stellte er klar. Eine weitere Bibelstelle formuliere die Aufgabe des Menschen in der Schöpfung als das „Bebauen und Bewahren des Gartens“.

Selbstkritisch beäugte der Theologe jedoch die Formel, die sich vonseiten der Kirche in Bezug auf die ökologische Krise eingebürgert hat: „Bewahrung der Schöpfung“. Diese Formel, die Liedke selbst mit formuliert hat, sei zu einseitig und vor allem auch zu harmlos, erklärte er: „Wollen wir diese zerstörte Schöpfung bewahren? Nein, da muss mehr kommen.“

Anhand von Arbeitsblättern - auch diese sorgten für das Seminar-Gefühl – erläuterte Dr. Liedke seine Sicht auf die Schöpfung: Zwischen dem Schöpfungsprinzip am Anfang und dem jetzigen Zustand unserer Welt gab es einen Riss – den Sündenfall. Durch diesen Riss ist auch die Gewalt gekommen, die der Mensch der Natur antut. Mensch und Natur, so Liedke mit Blick auf den Römerbrief 8, für ihn der zentrale Schöpfungstext des Neuen Testaments, seien biblisch gesehen eine Leidensgemeinschaft. Gleichzeitig gebe es die gemeinsame Hoffnung auf die Befreiung von der Gewalt.

„Was müssen wir Menschen also tun?“ Hier mündeten Dr. Liedkes Ausführungen in eine sehr anschauliche Schöpfungsethik. Ganz einfach: Der Mensch muss die Gewalt gegenüber der Natur vermindern. Und das kann er tun, indem er weniger Energie verbraucht.

Dr. Liedke forderte dazu auf, nicht nur auf die große Politik zu schauen, sondern den eigenen Lebensstil zu überdenken. „Die Autofahrerei und die Fleischfresserei sind die dramatischsten Umweltprobleme, nicht so sehr die Industrie.“ Ein ganzes Atomkraftwerk könne allein dann abgeschaltet werden, wenn für Computer-Druck und Co. Recyclingpapier verwendet würde – ein weiteres, wenn die elektronischen Geräte statt auf Standby-Betrieb zu laufen, ganz abgeschaltet würden. Hier, schloss Dr. Gerhard Liedke, gebe es Raum für eine moderne Form des Widerstands.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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