Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Theaterstücke mehr als Steinbrüche

61. Todestag von Adam von Trott zu Solz - Schillers Wallenstein Thema in Imshausen

Von Susanne Kanngieser

Als Abiturient hatte er "Wallenstein" im Theater gesehen und vor der Hinrichtung gehörte "Maria Stuart" zu seiner Lektüre. "Adam von Trott zu Solz hat seinen Schiller gelesen", sagte Dr. Benigna von Krusenstjern, Vorstandsmitglied der Imshäuser Stiftung am Freitag, dem 61. Todestag des Widerstandskämpfers. Mit "Wallenstein", dem großen Werk des deutschen Dichters, wolle man an das vielfältige Interessensspektrum und die "geistige Weite und Tiefe" von Adam von Trott zu Solz erinnern, machte die Historikerin den 50 Besuchern deutlich.

Veranstaltungen mit Themen aus Politik, Geschichte, Philosophie und Literatur sollen stets an dem eigens Adam von Trott gewidmeten "unbequemen Gedenktag" zur "Quelle fortdauernder Inspiration" werden, erklärte Dr. Beninga von Krusenstjern das Ansinnen der Stiftung.

"Schillers Wallenstein - Retter des Reiches und Friedensstifter oder Hochverräter" - das Thema war für Wolfgang M. Schwiedrzik auch Anlass zur Kritik. Der Verleger und Publizist bemängelte, dass sich auch im 200. Todesjahr Schillers kein Regisseur von Rang an die bedeutendste politisch-historische Tragödie der deutschen Literatur heranwage. Kaum ein Ensemble von Schauspielern verfüge noch über die Stimmtechnik und den Atem, um Schillers lyrische wie musikalische Verssprache zum Klingen zu bringen, erklärte der Gast aus Neckargemünd. Bei "Wallenstein" stehe und falle alles mit der Sprache und deren metrisch-rhythmischer Kunst.

Schwiedrzik erinnerte an die unvergessene Verkörperung des kaiserlichen Generalissimus durch Werner Krauß und Gustaf Gründgens.. Harte Worte fand der Mitbegründer der Berliner Schaubühne in seiner Begründung, warum das Hauptwerk Schillers auf den Spielplänen großer Bühnen fehle: "Sie sind weit heruntergewirtschaftet", kritisierte er. Die Verantwortlichen im Theater hätten kein Verhältnis mehr zur Geschichte. "Sie sind mit allem fertig und benutzen Stücke nur noch als Steinbruch, um ihre zuvor gefassten Meinungen unters Publikum zu schleudern."

Eine Ausnahme bildet für den Kritiker der Theatermacher Peter Stein, der dem Bühnenklassiker eine hohe Aktualität für das gegenwärtige Europa abgewann. Dessen Wallenstein-Projekt sei jedoch an der Absage des geplanten Hauptdarstellers gescheitert.

Die Dramen-Trilogie Schillers gelte Schwiedrzik zufolge als "spröde, widersprüchlich und schwierig", weil sie "die deutsche Geschichte in einmaliger Weise" abbilde. Geschichtsträchtig sei die Trilogie um den Niedergang des berühmten Feldherrn, da sie auch die konfessionelle Spaltung und das Verhältnis zwischen den Nationen zum Inhalt habe.

Mithilfe literarischer Belege ermöglichte der Publizist seinem aufmerksamen Publikum ein besseres Verständnis des historischen Zusammenhangs um die zentralen Fragen von Aufstieg und Fall der Macht.
Im letzten Teil seines Vortrags beschäftigte sich der Referent mit der Wallenstein-Schilderung Schillers. Allein im Drama habe der Dichter die Widersprüche der großen Persönlichkeit des 30-jährigen Krieges darstellen und die unterschiedlichen Positionen deutlich machen können. Durch die Gleichzeitigkeit vieler Szenen gelinge dem Dichter die Darstellung der Historie in allen Facetten.

erschienen in der HNA/Rotenburg-Bebraer Allgemeine vom 01.09.2005


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