Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Abrechnung mit den Tätern

Schenklengsfelder Publizist Dieter Schenk sprach am Imshäuser Kreuz

Von Bernd M. Schlegel

Eine Vielzahl von persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse nutzte Dieter Schenk als roten Faden für seine Gedenkrede am Imshäuser Kreuz. Mehrere hundert Besucher waren zu Ehren von Adam Trott, einer der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944, bei der Feier dabei.

Schenk, der viele Jahre im Bundeskriminalamt arbeitete, rechnete mit der Väter-Generation ab, die im Dritten Reich Verantwortung trug. "Mein Dozent in Kriminologie gehörte dem Reichssicherheitshauptamt an und war Mitte 1943 als Chef des Sonderkommandos\x0fV\x0fE in Warschau eingesetzt. Er nahm 140 polnische Widerstandskämpfer fest, was deren Tod bedeutete", erinnerte sich Schenk an seine Zeit im Landeskriminalamt. Später habe er erfahren, wie die Leitung des Landeskriminalamtes die Ermittlungen sabotierten und mit zudeckender Loyalität die Verfolgung von NS-Tätern verhinderten.
Für Schenk waren Vorgesetzte Vorbilder. Nachdem er die ganze Wahrheit erfahren hatte, fühlte sich die Autor aus Schenklengsfeld von seinen Kollegen hinters Licht geführt, wie Schenk später im Nachgespräch im Herrenhaus in Imshausen bekannte. Ende der 80er-Jahre hatte Schenk das Bundeskriminalamt verlassen. Danach wurde der kritische Autor beispielsweise mit seinem Sachbuch "Auf dem rechten Auge blind. Die braunen Wurzeln des BKA" bekannt.
Gleichzeitig gibt es für Schenk neue Vorbilder. Dazu zählt er den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der in den 50er- und 60er-Jahren NS-Täter verfolgt und angeklagt habe, gleichzeitig dabei jedoch behindert worden sei.
Schenk ist 1980 mit Albert Speer nach dessen langer Haftzeit ein besonders bekannter Vertreter des NS-Regimes begegnet. Speer sei auf die Frage, ob er mit seiner persönlichen Schuld leben könne, mit den Worten ausgewichen: "Weil ich glaube, durch meine Tätigkeit genügend beizutragen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt, dass ich es nicht notwendig habe, als zerknirschter Büßer in der Welt herumzulaufen, eben weil ich diese 20 Jahre hinter mich gebracht habe."
Schenk ging auf das Leben Adam von Trotts ein. Der habe am Ende seiner juristischen Ausbildung ein nationalsozialistisches Ausbildungslager über sich ergehen lassen müssen. "Ein freier und kritischer Geist wie Adam von Trott hat dies alles nur auf sich genommen, um mit dem am 22. Oktober 1936 abgeschlossenen Studium Berufperspektiven zu erreichen, die ihn befähigten, Einfluss zu gewinnen."
Gleichzeitig wies Schenk auch auf persönliche Widersprüche hin, die er mit Blick auf Nazi-Täter in sich spürt: So habe er Genugtuung über die Hinrichtung des Danziger Gauleiters Albert Forster empfunden. "Aber ich bin ein Gegner der Todesstrafe, schon gar als aktives Mitglied von Amnesty International." Schenk sagt über sich selbst, dass er diesen Widerspruch in sich nicht auflösen könne.

erschienen in der HNA/Rotenburg-Bebraer Allgemeine vom 22.07.2005


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