Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Freitag, 01. November 2019, 19 Uhr | Imshäuser Gespräch

Den Holocaust dokumentieren

Zum Editionsprojekt über die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden

Vortrag und Gespräch mit
Dr. Susanne Heim
Politikwissenschaftlerin und Historikerin (Berlin)
Herrenhaus im Trottenpark Imshausen

Viel ist in den Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges über die Vernichtung der Juden während des Nationalsozialismus geforscht und geschrieben worden. Doch hinter den Debatten um ein angemessenes Gedenken droht das Wissen über das historische Geschehen zu verschwinden. In der Edition „Judenverfolgung 1933-1945“ wird die Vernichtung der Juden in allen Ländern, die die Deutschen in ihren mörderischen Plan einbezogen haben, in 16 Bänden dokumentiert. Die Zeitzeugnisse verfolgter Juden und nichtjüdischer Zeitgenossen zeigen, wie die Ausgrenzung der jüdischen Minderheit die Gesellschaft in wenigen Jahren in erschreckendem Ausmaß verändert und den Weg in den Massenmord geebnet hat. Die Dokumente bleiben trotz ihrer Fülle nicht abstrakt und ortlos, sondern beschreiben sowohl das Entsetzen über die Gewalt als auch die Ambivalenz nichtjüdischer Einwohner gegenüber ihren bedrohten jüdischen Nachbarn zeitnah und detailliert.

In Zeitungsartikeln, Briefen, Diplomatenberichten, aber auch in öffentlichen Reden führender NS-Politiker spiegelt sich die Lage der Juden und der um sich greifende Schrecken, als die ersten abgeholt wurden und nachdem Lebenszeichen von den deportierten Freunden und Verwandten ausblieben.

Dr. Susanne Heim leitet die Projektgruppe zur Edition, die Dokumente aus ganz Europa umfasst und auch als ein „Schriftdenkmal“ für die Opfer verstanden werden kann. Ihr Vortrag wird sich auch mit den zeitgenössischen Zusammenhängen, den Dynamiken und den Zwischenstufen des politischen und gesellschaftlichen Prozesses, der zu dem beispiellosen Massenverbrechen führte, befassen und die unterschiedlichen Perspektiven auf die Vergangenheit sichtbar machen.

Zur Person

Dr. Susanne Heim studierte Politikwissenschaften, Geschichte und Literaturwissenschaften in Berlin und Hamburg. Anschließend arbeitete sie am Hamburger Institut für Sozialforschung, promovierte in Berlin zum Dr. phil. und war Leiterin des Forschungsprogramms der Max-Planck- Gesellschaft „Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus“. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust sowie die internationale Flüchtlingspolitik. Seit April 2005 ist sie Projektleiterin des groß angelegten, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten und vom Institut für Zeitgeschichte, der Universität Freiburg und dem Bundesarchiv herausgebenen Editionsprojekts „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945“.

Wir laden Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei. Bitte tragen Sie mit Ihrer Spende dazu bei, dass wir auch in Zukunft interessante „Imshäuser Gespräche“ anbieten können!


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Imshäuser Gespräche

'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.