Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Imshäuser Gespräch mit dem Rechtsextremismus-Experten David Begrich

Gezielte Provokation als politisches Mittel

Von Ute Janßen

Rechts, rechtsextrem, rechtskonservativ und rechtspopulistisch – Begriffe, bei denen wir oft meinen, sie seien deckungsgleich. Das Imshäuser Gespräch mit dem Rechtsextremismus-Experten David Begrich aus Magdeburg, der als Mitarbeiter des Vereins miteinander e.V. Betroffene berät, Informationen sammelt und über Erscheinungsformen rechten Gedankengutes aufklärt, beinhaltete sowohl eine messerscharfe Analyse der historischen und der gegenwärtigen Strömungen auf der rechten Seite des politischen Spektrums als auch eine lebhafte Diskussion mit Publikum und Referent.

Begrich beschränkte sich in seinem Impulsvortrag nicht darauf, die gegenwärtigen Strömungen dessen, was unter dem Sammelbegriff der „Neuen Rechten“ zusammengefasst wird, zu erläutern. Er gab zunächst einen historisch fundierten Einblick in rechtes Denken und die unterschiedlichen Richtungen. Er stellte klar, dass die Begriffe „rechts“, „rechtsextrem“ und „nationalsozialistisch“ nicht deckungsgleich seien. Die Ideengeschichte des rechten Denkens sei mindestens ebenso vielfältig wie die des linken Spektrums. David Begrich betonte, dass es gerade in der Weimarer Republik eine große Bandbreite konkurrierender rechtskonservativer Denkrichtungen gegeben habe. Unter ihnen seien auch Gegner des Nationalsozialismus gewesen, die allerdings dennoch nicht als „Demokraten“ zu bezeichnen seien. Als gemeinsames Ziel könne wohl am ehestens die Schaffung eines autoritären Staates – eines „bolschewistischen Staates ohne Bolschewismus“ – definiert werden.

Imshäuser Gespräch mit dem Rechtsextremismus-Experten David Begrich aus Magdeburg.

Lange sei – vor allem durch die Verbrechen der Nationalsozialisten – das rechte Denken in Deutschland weitgehend diskreditiert gewesen. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zum Nationalsozialismus und mit dem Erstarken der rechtspopulistischen Bewegungen käme es allerdings zunehmend zu einer Enttabuisierung. Rechtspopulistische Parteien und rechtsintellektuelle Vordenker nutzten das Mittel der kalkulierten Provokation, um die „Grenzen des Sagbaren“ immer weiter zu verschieben. Den Rechten, so Begrich, gelinge es immer öfter, den politischen Betrieb zeitweise am Nasenring durch die Arena zu ziehen. Sie versuchten immer wieder, Sehnsucht nach einer früheren Welt zu wecken, in der scheinbar alles in Ordnung gewesen sei, die es aber so nie gegeben habe. Neues hätten sie hingegen kaum in ihrem Repertoire – geschweige denn konstruktive Lösungsvorschläge für tatsächliche Probleme, trotzdem füllten sie ein offensichtlich vorhandenes Vakuum aus.

Auseinandersetzungen mit Rechtspopulisten sollten keinesfalls mithilfe moralischer Herabsetzungen geführt werden, damit, so betonte Begrich, würde man sich auf dasselbe Niveau bewegen. Allerdings müsse man davon ausgehen, dass Politiker wie Björn Höcke durchaus genau das meinten, was sie sagten. Diese politischen Strömungen dürfte man keinesfalls unterschätzen, sie gefährde Deutschlands Zukunft.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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