Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Imshäuser Gespräch mit Michael Beleites

Diskussion über aktuelle Fragen der Landwirtschaft

Welche Ursachen hat der Verdrängungswettbewerb in der Landwirtschaft? Welche Auswirkungen hat die industrialisierte Landwirtschaft auf Ökologie und Verbraucher und welche Alternativen der Bewirtschaftung gibt es? Das waren einige der Fragen, mit denen sich Michael Beleites, Gärtner und Publizist aus Blankenstein bei Dresden im Rahmen eines „Imshäuser Gesprächs“ am 27. September beschäftigte.

Grenzenloses Wachstum führe zu einem Verdrängungswettbewerb, der nur ein „Ich oder Du“ zulasse. Für maximale Ertragssteigerungen würden dauerhaft große Mengen Kunstdünger eingesetzt, die zwar kurzfristig wirkten, aber keinen langfristigen oder gar nachhaltigen Nutzen für die Böden hätten.

Michael Beleites, Gärtner und Publizist aus Blankenstein bei Dresden.

Ursachen fand Beleites zum Beispiel in einer falschen EU Subventionspolitik, da sich die Subventionen nach der Flächengröße eines Betriebes richteten und nicht nach der Art des erwirtschafteten Produktes. So entstehe ein Wettkampf um Ackerland, in dem es zu horrenden Preisentwicklungen käme. Gerade in den neuen Bundesländern sei besonders durch die jüngere historische Entwicklung und die Schaffung großer, zusammenhängender Schläge der Kampf um Land enorm. Durch lange Pachtzeiten von über 12 Jahren käme es zu „Bodensperren“, die verhinderten, dass Flächen auf mehrere Landwirte verteilt werden können.

Nach der Wende hätte es die Möglichkeit gegeben, die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) aufzulösen und wieder verstärkt kleinbäuerliche Strukturen zu schaffen. Jedoch blieben die großen Schläge überwiegend in der Hand von LPG-Nachfolgebetrieben in Form von Agrargenossenschaften, die durch die langen Pachtzeiten begünstigt würden. Kleinbetriebe seien im gegenwärtigen agrarpolitischen System strukturell benachteiligt, sagt Beleites. „Jeder hält an jeder Fläche fest, egal, ob er sie braucht.“ Das müsse man ändern, damit junge Bauern eine Chance haben. Denn die industrialisierte Landwirtschaft, so mehrere internationale Studien, schade nicht nur der Umwelt, sondern ernähre auch weniger Menschen als die kleinbäuerliche Wirtschaft. Beleites tritt dafür ein, dass die Agrarpolitik Landessache sein solle, die zentrale Organisation in Brüssel oder Berlin sei schädlich für Landwirte und Umwelt.

Unter den Zuhörern in Imshausen waren mehrere Landwirte, die solidarisch und biologisch wirtschaften. Sie bestätigten die Schwierigkeiten Land zu erwerben. Gerade, weil auch diese kleineren Flächen biologisch bewirtschaftet werden, sollte es hier eine Veränderung geben. Die Enkelgeneration brauche nicht nur Ressourcen, sondern auch eine gesunde Landschaft. Dafür müsse man größere Zeithorizonte bedenken als das im Moment unter dem Druck, unter dem Landwirte vielfach stehen, möglich sei.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


Artikelarchiv seit 2005

In unserem Artikelarchiv finden Sie alle Berichte aus und über Imshausen geordnet nach Jahren:

2019 2018 2017 2016 2015 2014 2013 2012 2011 2010 2009 2008 2007 2006 2005


Imshäuser Gespräche

'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.