Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Samstag, 20. Juli 2019, 14.30 Uhr

Gedenken in Imshausen 75 Jahre nach dem 20. Juli 1944

Erinnern als Richtschnur für die Gegenwart

Die Gedenkrede hält
Heiko Maas, Bundesminister des Auswärtigen
Imshäuser Kreuz

„Grüß' mir Imshausen und seine Berge“ - mit diesem Satz beendete Adam von Trott zu Solz vor 75 Jahren den Abschiedsbrief an seine Frau, den er vor seiner Hinrichtung in Plötzensee am 26. August 1944 schrieb. Schon 1949 errichteten die beiden Brüder Adam von Trotts, Werner und Heinrich, im Gedenken an ihren Bruder an einer prominenten Stelle oberhalb des Dorfes ein großes, weithin sichtbares Holzkreuz und einen Gedenkstein.

In diesem Jahr jährt sich der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944, der durch Claus Graf Schenk von Stauffenbergs Attentat auf Adolf Hitler ausgelöst wurde, zum 75. Mal. Adam von Trott zu Solz, dessen Elternhaus im Bebraer Stadtteil Imshausen liegt, war als Mitarbeiter im Auswärtigen Amt einer derjenigen, die den Umsturz mit geplant hatten. Bei ihm liefen im Hintergrund viele Fäden zusammen. Das Attentat vom 20. Juli 1944 war nur ein Teil der Umsturzplanungen, es war die „sichtbare Spitze“ des Geschehens. Gefolgt wäre die Besetzung von Dienstgebäuden, Rundfunksendern, der Telefon- und Telegraphenämter und aller weiteren Schlüsselstellungen. Auch Listen mit detaillierten Personalplanungen gab es bereits lange Zeit zuvor. Den Funktionsträgern des Regimes war bereits unmittelbar nach dem 20. Juli völlig klar, dass nicht nur die von Hitler in seiner Rede beschworene „Clique“ aus einigen wenigen Offizieren hinter dem Geschehen steckte. Die „Sonderkommission 20. Juli“ nahm binnen kürzester Zeit mindestens 600 Personen fest, unter ihnen zahlreiche Militärs aber auch viele Zivilisten. Mehr als 50 Strafprozesse wurden vor dem Volksgerichtshof geführt, die zu mindestens 100 Todesurteilen führten. Das Netzwerk des Widerstandes hatte auch in Hessen schon früh Wurzeln geschlagen: Nicht nur Adam von Trott und der mit ihm zum Tode verurteilte aus Felsberg stammende Egbert Hayessen sind ihm zuzurechnen, sondern auch der Sozialdemokrat Carlo Mierendorff und der Gewerkschafter Wilhelm Leuschner.

Adam von Trott stand dem nationalsozialistischen Regime von Anfang an ablehnend gegenüber und setzte sich spätestens seit 1939 nachweisbar für dessen Sturz ein. Trott versuchte vor allem, seine Dienstreisen dazu zu nutzen, Kontakte zwischen dem deutschen Widerstand und den Alliierten herzustellen. Als Mitglied des „Kreisauer Kreises“, der an konkreten Planungen für eine Nachkriegsordnung nach dem Ende des Nationalsozialismus arbeitete, versuchte Adam von Trott Menschen mit unterschiedlichen politischen und weltanschaulichen Vorstellungen zusammenzubringen. Unter denen, die dem Widerstandsnetzwerk der Kreisauer und des 20. Juli angehörten, waren neben Adeligen, Militärs, Protestanten und Katholiken auch Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Adam von Trott war in diesem Netzwerk einer der außenpolitischen Köpfe. Die Mitglieder des Kreisauer Kreises waren schon Ende der Dreißigerjahre überzeugt, dass eine stabile Nachkriegsordnung nur in einer europäischen Föderation möglich sei.

Während der Besetzung des Bendlerblocks in Berlin durch die Gruppe um Stauffenberg, arbeitete Adam von Trott in seinem Büro im Auswärtigen Amt an einer Verlautbarung, die nach einem erfolgreichen Umsturz im Rundfunk hätte verlesen werden sollen. Claus Graf Schenk von Stauffenberg, Werner von Haeften, Friedrich Olbricht und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim wurden noch in der Nacht zum 21. Juli im Hof des Bendlerblocks erschossen, General Ludwig Beck wurde gestattet, sich selbst zu erschießen. Auf die Verbindung zwischen Adam von Trott und Stauffenberg wurde man durch das ordnungsgemäß geführte Fahrtenbuch von Stauffenbergs Chauffeur aufmerksam: Noch am Abend des 19. Juli hatte Stauffenberg Adam von Trott in seiner Privatwohnung besucht. Fünf Tage nach dem Umsturz wurde Adam von Trott verhaftet. Am 15. August verurteilte ihn der Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler zum Tode. Das Urteil wurde am 26. August 1944 in der Hinrichtungsstätte Plötzensee vollstreckt.

Auch nach 1945 war die Lage der ehemaligen Widerstandskämpfer und ihrer Familien schwierig: Sie galten vielfach als „Verräter“. Ihre Familien, vor allem die der Hingerichteten erhielten zunächst keine Hinterbliebenenversorgung. Clarita von Trott, die wie auch andere Witwen, für einige Wochen in „Sippenhaft“ genommen wurde und deren Töchter zusammen mit anderen „Widerstandskindern“ in ein Kinderheim in Bad Sachsa gebracht wurden, erhielt erst Ende der 1950er Jahre eine Witwenpension. Erst 1998 wurden die Urteile des Volksgerichtshofs formell aufgehoben.

In Imshausen gab es schon sehr früh kleinere, von der durch Adam von Trotts Schwester Vera gegründeten Kommunität Imshausen getragene Gedenkfeiern und -andachten. Erst 1984 ergriff der damalige Bebraer Bürgermeister August Wilhelm Mende anlässlich des 40. Jahrestages die Initiative zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung am Kreuz. Gemeinsam mit der 1986 gegründeten Stiftung Adam von Trott, die im Elternhaus des Widerstandskämpfers eine Tagungs- und Begegnungsstätte betreibt, lädt der SPD-Unterkreis Rotenburg nun alljährlich am 20. Juli zur Gedenkfeier ein. In diesem Jahr mit prominenter Beteiligung: Bundesaußenminister Heiko Maas hat zugesagt, die Rede am Imshäuser Kreuz zu halten.

Der Gedenkstein gleich neben dem Kreuz in Imshausen trägt die Inschrift: „Hingerichtet mit den Freunden im Kampf gegen die Verderber unserer Heimat. Bittet für sie. Beherzigt ihr Beispiel“ zu lesen. Das ist bis heute die Richtschnur des Erinnerns nicht nur hier, sondern auch an vielen anderen Orten.


Gedenkfeier 20. Juli

Die Stiftung Adam von Trott erinnert alljährlich am 20. Juli mit einer Feier am Kreuz auf dem Tannenberg an den Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Diese Feier ist dem Gedenken an Adam von Trott und seine Freunde gewidmet.

Die erste Gedenkfeier wurde 1984 vom damaligen Bebraer Bürgermeister August Wilhelm Mende initiiert. In den ersten Jahren war der SPD-Unterkreis Rotenburg alleiniger Veranstalter. Seit 1994 liegt die Verantwortung für die Ausrichtung der Gedenkfeier zu gleichen Teilen bei der Stiftung Adam von Trott und dem SPD-Unterkreis Rotenburg.

Die Redetexte der Jahre 1984 bis 2003 sind in dem Buch "Zwanzig Jahre Reden am Kreuz Imshausen" publiziert worden.

Die Rede von Dr. Konrad Raiser (2004) wurde als Imshäuser Text Nr. 1 (Titel: "Der Deutsche Widerstand und die Zukunft Europas") veröffentlicht. Die Auflage ist weitgehend vergriffen, Einzelexemplare zum Preis von fünf Euro sind in Imshausen erhältlich.

Alle Redetexte seit 1984 sind als PDF-Datei auf dieser Website abgespeichert und können hier heruntergeladen werden.

Dokumentation der Reden zum 20. Juli