Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Freitag, 15. März 2019, 19.00 Uhr | Imshäuser Gespräch

„Menschenrechte haben kein Geschlecht“

Der lange, steinige Weg zum Frauenwahlrecht

Gespräch mit
Dr. Frauke Geyken
Historikerin (Göttingen)
Herrenhaus im Trottenpark Imshausen

„Wahlberechtigt sind alle deutschen Männer und Frauen, die am Wahltag das 20. Lebensjahr vollendet haben“ – mit diesem knappen Satz brachte der Rat der Volksbeauftragten am 12. November 1918, mitten in den Wirren der Revolution, eine große Wahlrechtsreform auf den Weg: Damit wurde nicht nur das ungleiche preußische Dreiklassenwahlrecht abgeschafft, sondern – und das mit einem Federstrich – auch das aktive Frauenwahl- und das passive Frauenstimmrecht eingeführt.

Dies bedeutete jedoch keineswegs, dass den deutschen Frauen das Frauenstimmrecht quasi in den Schoss gefallen wäre. Mit dieser Annahme würde man einen jahrzehntelangen Kampf negieren, den sowohl einzelne Frauen als auch alle Flügel der Frauenbewegung bereits im 19. Jahrhundert begonnen hatten. Die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland im November 1918 ist vielmehr als eine Etappe auf dem langen Weg der Demokratisierung zu verstehen, als Prozess, der ungefähr 100 Jahre vor der Einführung begann und auch nicht 1918/19 endete. Denn, wie wir heute wissen, umfasst eine wirkliche Gleichberechtigung der Geschlechter mehr als nur die Möglichkeit, aktiv zu wählen und passiv gewählt zu werden.

Zur Person

Dr. Frauke Geyken studierte Geschichte, Skandinavistik und Anglistik in Göttingen und Lund. Nach einem längeren Studienaufenthalt in London schrieb sie ihre Dissertation über das britische Deutschlandbild im 18. Jahrhundert. Seit 2008 ist sie als freie Historikerin und historische Publizistin tätig. 2011 erschien ihr Buch „Freya von Moltke. Ein Jahrhundertleben", 2014 „Wir standen nicht abseits. Frauen im Widerstand gegen Hitler", eine vergleichende Studie über sieben sehr unterschiedliche Frauen aus dem Umfeld des Widerstandes. Beide Bücher nehmen bewusst das gesamte Leben der Frauen in den Blick.

Zu Ihren Projekten gehören u.a. die Mitarbeit an verschiedenen Ausstellungen in Niedersachsen und Hessen. 2017 war sie als Mitarbeiterin zuständig für das Thema Hundert Jahre Frauenwahlrecht; 2018 war sie freie Mitarbeiterin im Archiv der deutschen Frauenbewegung in Kassel; verschiedene Publikationen und laufende Vorträge zum Thema Hundert Jahre Frauenwahlrecht.

Seit 2018 Koordinatorin der außeruniversitären Zusammenarbeit im geisteswissenschaftlichen Schülerlabor der Universität Göttingen /// ylab.uni-goettingen.de/home

Wir laden Sie herzlich ein. Der Eintritt ist frei, über eine Spende freuen wir uns.

 
Imshäuser Gespräche

'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.