Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Shiregreen begeisterte mit Konzert im Imshäuser Herrenhaus

Vom sturen Hund Erinnerung

„Die Erinnerung ist ein ziemlich sturer Hund“ – so lautete der beziehungsreiche Titel eines der Songs, die die Band Shiregreen bei ihrem Konzert in der Stiftung Adam von Trott in Imshausen spielte. Und voller Erinnerungen – genau wie der Ort selbst, der an den Widerstandskämpfer Adam von Trott zu Solz erinnert, war auch das gesamte, von Klaus Adamaschek mit viel Fingerspitzengefühl ausgesuchte Programm.

Shiregreen, die in der Besetzung Klaus Adamaschek (Gitarre und Gesang), Marisa Linß (Gesang und Percussion) und Paul Adamaschek (Bass und Keyboard) in Imshausen auftraten, hatte noch viele andere Musiker wie Leonard Cohen, Joan Baez, Reinhard Mey und Bob Dylan buchstäblich im Gepäck: Einige der Songs, die sie an diesem Abend spielten, stammten von ihrem neuen Album „References“ mit dem sie großen musikalischen Vorbildern ihre Referenz erweisen.

„Shiregreen“ in der Besetzung mit Klaus Adamaschek, Marisa Linß und Paul Adamaschek (von links) zog das Publikum im Imshäuser Herrenhaus von Anfang an in seinen Bann.

In der im Vergleich zu anderen Räumen, in denen Shiregreen sonst meist auftreten, relativ kleinen Halle des Imshäuser Herrenhauses kam unmittelbar nach Beginn des Konzertes eine ausgesprochen besondere, sehr intime Stimmung auf. Die Musiker waren nicht nur räumlich nahe am Publikum, sie nahmen es mit ihren Liedern für Frieden und Freiheit, die zugleich ein Appell gegen die Angst und gegen Mauern in den Köpfen waren, auf eine musikalische Reise in Zeit und Raum, auf die sich die Zuhörer bereitwillig einließen. Neben ganz persönlichen Songs, wie „Endlich bist du da“, das Klaus Adamaschek zur Geburt seiner Enkel geschrieben hatte, dem wunderbaren „Traumwandler“ und seiner Liebeserklärung an den persönlichen Friedensplatz zwischen Eisenbahngleisen und Fulda („Between the River and the Railroad Tracks“) gab es auch klare Aussagen zu politischen und gesellschaftlichen Themen. In „Davids Lied“ erzählt Shiregreen die Geschichte eines geflüchteten afrikanischen Kindersoldaten, der als Erwachsener zum „Peace Soldier“ wurde und in „Da draußen in der Welt“, kritisieren die Musiker Populismus, falschen Patriotismus und Menschenfeindlichkeit. Die musikalischen Referenzen an die großen Vorbilder – die „References“ – ließen deutliche Bezüge zur Musik der jeweils porträtierten Musikerinnen und Musiker aufscheinen, zeigten aber dennoch eine ganz eigene „Shiregreen“-Handschrift und weckten bei vielen Zuhörern Erinnerungen an die Zeit insbesondere der 1960er und 1970er Jahre, ohne dass sie sich musikalisch und textlich ausschließlich nach rückwärts wandten.

Marisa Linß, die in einigen Songs (ein besonderer Höhepunkt „Garden of my Dreams“, in dem sie den Garten hinter dem Niemeyerschen Haus in ihrem Heimatort Wildeck-Hönebach musikalisch beschreibt) als Solistin zu hören war, gab zusammen mit Paul Adamaschek noch einige Kostproben der musikalischen Kooperation, die die beiden als Duo „Triade“ verbindet. Spätestens mit ihrer Interpretation des Leonard-Cohen-Klassikers „Hallelujah“, bei dem das Publikum kollektiv mitsang, hatten die beiden Musiker deutlich gemacht, dass sie auch in dieser Besetzung absolut überzeugen können.

Mit minutenlangen stehenden Ovationen bedankte sich das Imshäuser Publikum bei den drei Musikern für ein besonders intensives und berührendes Konzerterlebnis. Bei den Zugaben, dem italienischen Partisanenlied „Bella Ciao“ und Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ nutzten die Zuhörer noch einmal gerne die Möglichkeit zum Mitsingen.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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