Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Mehr als 150 Menschen nahmen teil

Erinnerung an Widerstandskämpfer Adam von Trott in Imshausen

Von Achim Meyer

Bei einer Gedenkfeier in Imshausen anlässlich des 20. Juli, dem Tag des gescheiterten Attentats auf Hitler, haben mehr als 150 Menschen an Adam von Trott erinnert.

Wie kann die Erinnerung an die Zeit des Nationalsozialismus und den Widerstand gegen ihn fortleben, wenn kaum noch Zeitzeugen leben? Diese Frage stand im Zentrum der Gedenkfeier für den aus Imshausen stammenden Widerstandskämpfer Adam von Trott am Gedenkkreuz bei Imshausen. Antworten gaben auch Schülerinen und Schüler der Adam-von-Trott-Schule in Sontra.

Gedenken an den 20. Juli und Adam von Trott: SPD-Landtagsabgeordneter Torsten Warnecke und Thomas Giese, Regionalgeschäftsführer der SPD Imshausen, legten einen Kranz nieder.

Dass diesmal sie zu Wort kamen und nicht der Vortrag eines prominenten Redners im Mittelpunkt stand, lag auch an Sturm Friederike, der im Januar das mehr als 14 Meter hohe Gedenkkreuz umgeworfen hatte. Lehrer und Schüler hatten daraufhin die Initiative ergriffen, in der Schulwerkstatt Kerzenhalter aus dem Holz des Kreuzes gefertigt und so Spenden für ein neues Kreuz gesammelt. Unterhalb des neuen Kreuzes versammelten sich nun am 20. Juli, dem Tag des gescheiterten Attentats auf Hitler, mehr als 150 Besucher, um an Adam von Trott zu erinnern, der damals wie viele andere mit dem Leben bezahlte.

Von Schulleiterin Susanne Herrmann-Borchert erfuhren die Gäste, welche Rolle Adam von Trott an der Sontraer Schule spielt: „Alle Schulmitglieder machen sich vertraut mit dem Namensgeber unserer Schule“, erklärte sie. Neue Lehrkräfte und Referendare würden mit Adam von Trott vertraut gemacht, und alle Fachbereiche, so die Schulleiterin, „berücksichtigen die Denk- und Handlungsweise unseres Namensgebers in ihren Lehrplänen“. Ludger Arnold, pädagogischer Leiter an der Schule, betonte die intensive Zusammenarbeit mit der Adam-von-Trott-Stiftung in Imshausen.

Unter dem neuen Adam-von-Trott-Kreuz (oben) erinnerten mehr als 150 Gäste an den aus Imshausen stammenden Widerstandskämpfer.

Saskia Hahn, frisch gebackene Abiturientin, hat sich in iher Schulzeit unter anderem mit Trotts Witwe Clarita von Trott beschäftigt. „Wir müssen informiert sein und am besten nicht erst in der Oberstufe die Gelegenheit haben, wirklich zu verstehen, was geschehen ist“, sagte sie den Zuhörern am Kreuz. „Und wir müssen erkennen, dass es an uns liegt zu verhindern, dass so etwas jemals wieder passiert.“ Mitschülerin Margarethe Schädel ergänzte: „Da die letzten Zeitzeugen nach und nach versterben, ist es unsere Aufgabe, ihre Geschichten zu hören und zu behalten.“

Dass Erinnerung keine Selbstverständlichkeit ist, verdeutlichten Auszüge aus Texten von Erich Kästner aus der Nachkriegszeit, die die Schüler vortrugen. „Sie opferten Leben und Ehre“, schrieb Kästner im Jahr 1954. „Hat man ihnen wenigstens ihre Ehre wiedergegeben?“, fragte er. „Hat man versucht, diese Männer und Frauen in unserer vorbildarmen Zeit zu dem zu machen, was sie sind? Zu Vorbildern?“

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


Gedenkfeier 20. Juli

Die Stiftung Adam von Trott erinnert alljährlich am 20. Juli mit einer Feier am Kreuz auf dem Tannenberg an den Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944. Diese Feier ist dem Gedenken an Adam von Trott und seine Freunde gewidmet.

Die erste Gedenkfeier wurde 1984 vom damaligen Bebraer Bürgermeister August Wilhelm Mende initiiert. In den ersten Jahren war der SPD-Unterkreis Rotenburg alleiniger Veranstalter. Seit 1994 liegt die Verantwortung für die Ausrichtung der Gedenkfeier zu gleichen Teilen bei der Stiftung Adam von Trott und dem SPD-Unterkreis Rotenburg.

Die Redetexte der Jahre 1984 bis 2003 sind in dem Buch "Zwanzig Jahre Reden am Kreuz Imshausen" publiziert worden.

Die Rede von Dr. Konrad Raiser (2004) wurde als Imshäuser Text Nr. 1 (Titel: "Der Deutsche Widerstand und die Zukunft Europas") veröffentlicht. Die Auflage ist weitgehend vergriffen, Einzelexemplare zum Preis von fünf Euro sind in Imshausen erhältlich.

Alle Redetexte seit 1984 sind als PDF-Datei auf dieser Website abgespeichert und können hier heruntergeladen werden.

Dokumentation der Reden zum 20. Juli