Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Lesung mit Musik im Herrenhaus in Imshausen

Briefe in Szene gesetzt

In einer szenischen Lesung präsentierte die Stuttgarter Schauspielerin Dorothea Baltzer gemeinsam mit ihrem Kollegen Robert Atzlinger und musikalisch begleitet vom Flötisten Ekkehard Schobert die Briefe des Widerstandspaares Freya und Helmuth James von Moltke. Während im ersten Teil die Briefe den Alltag auf dem Gut der Moltkes in Kreisau (heute Krzyzowa) und in Berlin, die unterschiedlichen Lebenswelten von Familie und Beruf wiederspiegelten, ging es im zweiten Teil um jene Briefe, die das Paar während der neunmonatigen Gefangenschaft von Helmuth James von Moltke verfasste. Der Gefängnispfarrer Harald Poelchau schmuggelte die Briefe, sonst wäre solche ein Austausch nicht möglich gewesen.

Im ersten Teil standen Dorothea Baltzer und Robert Atzlinger, sie bewegten sich, sprachen einander direkt an, umarmten sich und ließen so die Sätze von Moltkes lebendig werden. In der Inszenierung der Stuttgarter Regisseurin Ulrike Kirsten Hanne, wurde der Alltag von Moltkes in stakkatohaft vorgetragenen Namenslisten derjenigen, mit denen sich Moltke traf und über das richtige Vorgehen im Widerstand diskutierte, lebendig. Seine Konflikte und seine Verzweiflung, die Suche nach dem richtigen Vorgehen und schließlich der Einbruch des Krieges waren Themen der Briefe. Währenddessen kamen auf dem Gut in Kreisau „die Söhnchen“ zur Welt.

Die Stuttgarter Schauspielerin Dorothea Baltzer.

Im zweiten Teil des Abends gelang es den Schauspielern alleine durch eine einfache Umstellung des Bühnenbildes eine ganz andere Atmosphäre zu schaffen. Sie saßen auf zwei einander abgewandten Stühlen, die Sprache war die einzige Form und Möglichkeit des Kontakts. Und trotzdem blieb die Verbindung eng, ja innig und gewann an emotionaler Tiefe. Der Inhalt der Briefe spiegelte sich im ausdrucksstarken Gesicht der Schauspielerin, in ihren Gesten, ihrer Körperhaltung, ihrer Mimik. So zog das Schauspielpaar die Gäste in seinen Bann und machte die Sprache der Briefe zugänglich. Freya hatte ihrem Mann Pakete mit Wäsche und Essen in die Haft geschickt. Die Rede war von Kaffee, Hemden und Honig. In einer besonders eindrücklichen Szene kommt es über die Gefängnismauer hinweg zu einem Kontakt: Freya gibt ihrem Mann einen Löffel Honig. Diesen Honig begriffen die Zuschauer als Symbol für Nahrung überhaupt, jene für den Körper und für die Seele, die die Eheleute einander trotz der Trennung und bevorstehenden Ermordung Helmuth James von Moltkes geben konnten. Die Briefe, exzellent inszeniert und umgesetzt von Dorothea Baltzer und ihrem Team sind so ein Zeugnis einer Liebe, das die Zeit längst überdauert hat, aus der es stammt, aber trotzdem mit der tiefen Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus untrennbar verbunden ist.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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