Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Imshäuser Gespräch mit Experten für Entwicklungszusammenarbeit

Migration als „Motor“ für Entwicklung

Migration hat es schon immer gegeben und sie hat viele Gründe. Valeska Onken und Peter Bonin, die beide als Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) über langjährige Erfahrungen in der Entwicklungspolitik verfügen, betonten im Imshäuser Gespräch, dass es bei der Steuerung und dem Management von Migration aus entwicklungspolitischer Sicht um sehr viel mehr gehe, als nur um das Eindämmen von Flüchtlingsbewegungen nach dem Sankt-Florians-Prinzip und um das von Politikern vielfach bemühte „Bekämpfen von Fluchtursachen“. Wanderungsbewegungen seien allerdings auch Teil der häufig als Bedrohung wahrgenommenen Globalisierung, die gegenwärtig bei vielen Menschen Verunsicherung und Ängste auslösten. Diese müsse man ernst nehmen, ohne in blinde Angstmacherei zu verfallen, von der allenfalls populistische Vereinfacher profitieren würden.

Oft, so Onken und Bonin, sei Migration auch gar nicht das Problem, das die Entwicklungshilfe kurzfristig bekämpfen könne – sondern in Wahrheit zunächst ein Teil der Lösung: Menschen, die ihr Land verlassen, um zum Beispiel in Europa Arbeit zu finden, überweisen einen großen Teil der Einkünfte in ihre Heimat zurück und leisten damit einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen in ihren Herkunftsländern. Migranten seien häufig wichtige Entwicklungshelfer und Migration könne zum Motor für Entwicklung werden.

Valeska Onken und Peter Bonin über Migration als „Motor“ für Entwicklung.

Gerade die Entwicklungszusammenarbeit werde auch als Symbolpolitik und als „Feigenblatt“ wahrgenommen. Die tägliche Praxis, so betonten Valeska Onken und Peter Bonin, sähe jedoch ganz anders aus. Gebraucht würden fundierte und gut überlegte Programme, die nicht nur kurzfristig Wirkung zeigten. Entwicklungspolitik brauche einen langen Atem und balanciere häufig auf schmalem Grat: Ihr werde vorgeworfen, mit diktatorischen Regimen zu paktieren und die Effektivität der Arbeit werde ständig hinterfragt. Es gehe jedoch, so Onken und Bonin, vor allem darum, in Selbsthilfe Lebensperspektiven zu schaffen und die Menschen langfristig und partnerschaftlich zu unterstützen. Beide Referenten äußerten trotz manchmal schwierigster Situationen die Hoffnung auf grundlegende Strategiewechsel in der Entwicklungszusammenarbeit. Immerhin sei es der Diskussion über die Zuwanderung von Flüchtlingen seit 2015 zu verdanken, dass nun die Forderung nach einem Einwanderungsgesetz den Weg in den Koalitionsvertrag gefunden habe.

Eine große Herausforderung sei vor allem – und dies beschrieb Valeska Onken eindringlich anhand des Beispiels Afrika, das sie bei der Arbeit an Projekten im Auftrag der GIZ und der UNO intensiv kennen gelernt hat – die Bekämpfung der transnationalen Kriminalität: Migranten würden zur Ware für Menschenschmuggler und Menschenhändler, Korruption sei an der Tagesordnung. Ein wichtiges Gegenmittel dafür sei das Eröffnen legaler Wege für Migration, die sowohl Herkunfts- als auch Zielländern nützen könnten. Niemand, so betonten beide Referenten, habe ein Interesse daran, dass Menschen keinen anderen Ausweg finden könnten, als den gefährlichen und oft tödlichen Weg über das Mittelmeer. Eine gesteuerte, legale und sichere Migration sei auch aus entwicklungspolitischer Sicht sinnvoll und helfe vor allem beim Menschenrechtsschutz.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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