Stiftung Adam von Trott | Imshausen e.V.
 


Tagung zum 100. Geburtstag von Clarita von Trott zu Solz

Von der Leidenschaft zur Helle

„Sie versteht, was mir im Leben am wichtigsten ist und wird mir helfen, dafür zu kämpfen“. Diesen Satz schrieb Adam von Trott 1940 in einem Brief an seine Mutter, in dem er ihr seine Verlobung mit Clarita Tiefenbacher ankündigte. Anlässlich des 100. Geburtstages von Clarita von Trott hatten sich viele Weggefährten und Interessierte auf den Weg in die Stiftung Adam von Trott und in die Sontraer Adam-von-Trott-Schule gemacht, um in einer Tagung über den „Schatz des Widerstands“ und seine Bedeutung für die Gegenwart nachzudenken.

Die Schriftstellerin Gila Lustiger aus Paris würdigte Clarita von Trott in ihrem Festvortrag als Persönlichkeit, deren Leben geprägt gewesen sei durch ihre Leidenschaft zur Helle, die nicht nur das Zusammenleben mit ihrem Mann bestimmt habe, sondern auch die Zeit nach dessen Tod, ihre Sorge für ihre Familie und ihre Arbeit als Psychoanalytikerin. Sie habe sich mit dieser Leidenschaft dafür eingesetzt, das, wofür ihr Mann und seine Freunde im Widerstand eingestanden hätten, als Zeitzeugin an die nachgeborenen Generationen weiterzugeben. Gerade heute, so betonte Lustiger, sei es wichtig, das Zeugnis Clarita von Trotts lebendig zu erhalten. Die Deutungshoheit über die Geschichte dürfe nicht den Wegschauern überlassen werden.

Aus Texten und Dokumenten von Clarita von Trott und anderen Widerstandsüberlebenden lasen in Imshausen unter anderem auch Nachkommen von Clarita von Trott und dem Berliner Gefängnisseelsorger Harald Poelchau. (von links: Dr. Eva-Clarita Pettai, Harald Poelchau und Prof. Dr. Clarita Müller-Plantenberg).

Staatsminister Michael Roth griff in seinem Grußwort auch auf seine persönlichen Erinnerungen an Clarita von Trott zurück. Besonders ihre Neugier, ihr Charme, ihre Wissbegierde und ihr Humor hätte er lebhaft im Gedächtnis. In einer Zeit, in der das Erinnern an den Widerstand keine Selbstverständlichkeit gewesen sei, habe sie entscheidend dazu beigetragen, dass sich das der Umgang mit der Erinnerung gewandelt habe. Ihr sei bewusst gewesen, dass es nicht reiche, den „Schatz des Widerstandes“ einfach zu bewahren, sondern dass Verbindungen zwischen Vergangenheit und Zukunft gezogen und weiterentwickelt werden müssten. Das werde besonders deutlich, wenn man die aktuellen Entwicklungen betrachte: Das „süße Gift“ des Populismus dringe zunehmend in die Ohren, Seelen und Herzen der Menschen ein. Dem gelte es entgegenzuwirken.

Unter den Referenten in Imshausen war mit Giles MacDonogh aus London (ganz links) auch einer der Biographen Adam von Trotts, der seine Erinnerungen an die Begegnungen mit Clarita von Trott mit den Tagungsteilnehmern teilte.

Der Freitag stand ganz im Zeichen der Verbindung mit jungen Menschen: An diesem Tag begaben sich die Gäste – unter ihnen auch einige weit gereiste, wie die New Yorker Filmemacherin Hava Kohav Beller und der Londoner Autor Giles MacDonogh – in die Adam-von-Trott-Schule, wo sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit dem „Jahrhundertleben“ Clarita von Trotts befasst hatten. In der von ihnen zusammengestellten Ausstellung und verschiedenen Arbeitsgruppen gab es viel Gelegenheit zu Gespräch und Austausch. In Imshausen standen in den drei Tagen neben Filmvorführungen, Lesungen, Musik und einem Gespräch mit Nachkommen weiterer Widerstandskämpfer auch Fragen zu aktuellen Entwicklungen auf dem Programm. Unter anderem wurden die Zukunftsperspektiven der Stiftung in den Kooperationen mit der Universität Göttingen und der Adam-von-Trott-Schule sowie mit dem Verein zur Förderung der Solidarischen Ökonomie und gewaltfrei handeln e.V. diskutiert.

Tagungsrede von Gila Lustiger als PDF

Hintergrund

Clarita von Trott zu Solz (geb. Tiefenbacher) wurde am 19. September 1917 in Hamburg geboren. Im Juni 1940 heiratete sie den Diplomaten Adam von Trott zu Solz, der an den Planungen des Kreisauer Kreises und am Umsturzversuch des 20. Juli 1944 beteiligt war. Nach dem Tod ihres Mannes studierte sie Medizin und war als Psychotherapeutin in eigener Praxis in Berlin tätig. Clarita von Trott begleitete die Arbeit der Stiftung Adam von Trott in Imshausen, deren Ehrenvorsitzenden sie war, bis zu ihrem Tode am 28. März 2013 intensiv, ebenso wie die Zusammenarbeit mit der Sontraer Adam-von-Trott-Schule.

Dieser Artikel ist erschienen in der HNA Rotenburg | www.hna.de


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'Imshäuser Gespräche' sind eine öffentliche Veranstaltungsreihe der Stiftung, bei der in etwa monatlicher Folge aktuelle Themen und Fragestellungen aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft oder Ökumene in einer Abendveranstaltung erörtert werden.
Dazu lädt die Stiftung kompetente Personen als Referentinnen/ Referenten ein. Einem einführenden Vortrag folgt jeweils eine ausführliche Aussprache.
Innerhalb kurzer Zeit haben sich die 'Imshäuser Gespräche' zu einem beachteten und anerkannten Forum der politischen Auseinandersetzung und Meinungsbildung in der Region Nordosthessens entwickelt.



Montag, 06. November 2017, 19 Uhr | Trott Lecture
Eine europäische Aufgabe
Vorlesung von
Marianne Birthler
Ehem. Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik


Dienstag, 14. Novermber 2017, 19 Uhr | Imshäuser Gespräch
Nach der Bundestagswahl diskutieren wir über Hintergründe, neue Herausforderungen und Aufgaben
Gespräch und Diskussion mit
Dr. Monika Hölscher, Hessische Landeszentrale für politische Bildung (Wiesbaden)
Dr. Gunnar Richter, Leiter der Gedenkstätte Breitenau und Sprecher der Hessischen Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten (Guxhagen)
Ludger Arnold, Pädagogischer Leiter der Adam-von-Trott-Schule Sontra
Visser ’t Hooft-Haus im Trottenpark, Imshausen